2015, Okt. 13 | Salzburg zahlt wieder

Crescendo, 13. Oktober 2015, Robert Kittel

interview_crescendo2015Ein Anruf bei Elisabeth Kulman, die sich im vergangenen Jahr zuerst eine Auszeit nahm und im Frühjahr entschied, keine szenischen Opernproduktionen mehr zu machen.

crescendo: Frau Kulman, wo erwischen wir Sie?

Elisabeth Kulman: In Wien, auf dem Sprung nach Spanien.

Wir wollten nachfragen, wie es Ihnen geht. Sie haben ja ein turbulentes Jahr hinter sich …

Na ja, turbulent war es davor. Deswegen habe ich vor einem Jahr eine Auszeit genommen und seither mein Leben ziemlich neu organisiert. Den Stress rausgenommen, klare Entscheidungen getroffen. Es geht mir jetzt so gut wie nie zuvor.

Sie sind damals für einen Monat überraschend alleine nach Thailand gereist. Was war der Grund für Ihre „Flucht“?

Ich wollte einfach Zeit und Raum haben, um über bestimmte Dinge nachzudenken, unbehelligt und frei von allem aus der westlichen Welt. Als einfacher Mensch und nicht als „die Opernsängerin“ durchs Leben gehen. Als ich mit meinem Rucksack in Thailand war, ohne Zeitplan, ohne konkretes Ziel, einfach nur wachsam für das, was auf mich zukommt, war das sehr befreiend.

Sie würden das also auch anderen empfehlen?

Ich kann da nur für mich sprechen: Es war das Tollste und Reinigendste, was man sich leisten kann im Leben.

Nach Ihrer Rückkehr traten Sie wieder in großen Rollen auf, trotzdem haben Sie nach der Walküre-Aufführung in München am 23. März ihren Rücktritt von der Opernbühne bekanntgegeben. Warum?

Ich habe einfach festgestellt, dass es mir zwar riesigen Spaß macht, auf der Bühne zu stehen, die Proben davor empfinde ich jedoch als sehr belastend. Ich arbeite gerne konzentriert und tendenziell lieber in kleinen Teams.

Wie haben die Intendanten reagiert, als die von Ihrer Entscheidung erfahren haben …

Die erste Reaktion war überall der Schock, weil niemand damit gerechnet hatte. Böse ist mir aber glücklicherweise niemand, weil es ja eine allgemeine Entscheidung war und nicht: „Bei dir singe ich und bei dir nicht.“ So können es alle akzeptieren. Gleichzeitig habe ich auch von allen Seiten die Versicherung bekommen, zum Beispiel von Nikolaus Bachler in München oder Dominique Meyer in Wien, dass ich jederzeit mit offenen Armen empfangen werde. Das ist wirklich schön.

Hat sich Alexander Pereira auch gemeldet? Sie waren mit ihm ja auf Kriegsfuß während der Diskussionen um Probengagen in Salzburg …

Ja, Pereira hatte mich für mehrere Produktionen in seine neue Wirkungsstätte nach Mailand eingeladen. Meine Qualifikation als Sängerin stand nie zur Diskussion, auch wenn wir freilich unterschiedliche Meinungen zu diesem Thema hatten. Im Nachhinein muss man feststellen: Es hat was gebracht, dass ich meinen Kopf hingehalten habe: Salzburg zahlt wieder für die Proben! Das ist doch toll!

Wie sieht der Terminkalender der Sängerin Elisabeth Kulman in den nächsten Monaten aus?

Ich habe wunderschöne Konzertprojekte mit den besten Orchestern und Dirigenten der Welt, dazwischen viel freie Zeit. Für mich ist das die optimale Kombination. Soeben habe ich eine fantastische Tournee mit den Wiener Philharmonikern beendet, den Herbst verbringe ich im warmen Spanien, im Dezember dann Bach-Kantaten unter Nikolaus Harnoncourt. Besser geht’s nicht!

Quelle: crescendo.de

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