Das Allgemeine hinter dem Speziellen – Gastkommentar Marlis Petersen

marlis1bQuelle: Facebook-Seite Elisabeth Kulman, 19. März 2013:

Gastkommentar von meiner wunderbar klugen und gescheiten Kollegin, der von New York über Salzburg und Wien bis Tokio gefeierten “Turbo-Sopranine” Marlis Petersen! Sie grüßt euch herzlichst aus ihrer Wahlheimat Athen! Lest, was sie euch zu sagen hat:

Das Allgemeine hinter dem Speziellen

Meine liebe und mutige Kollegin Elisabeth Kulman hat hier etwas losgetreten, was wohl schon längst darauf gewartet hat, und zwar nicht nur in unserer Branche der Kunst, sondern in vielen anderen Bereichen auch. Es geht hier also nicht nur um ein Phänomen spezifischer Zuordnung, sondern um ein globales, ich würde sagen, es ist ein „Thema“, das sich durch unsere Gesellschaft zieht, durch sie verursacht wird und in ihr wieder mündet.

Deswegen halte ich es für wichtig, dass wir uns hier nicht in der einzelnen Anklage verlieren oder Beschuldigungen verschieben, sondern einmal genauer hinschauen, wo denn das alles herkommt und was wir tun können.

Unsere Gesellschaft ist so mit Regularien vollgepfropft, dass der Mensch nicht mehr wirklich frei agieren kann. Wir sind Sklaven unserer Gesetze, die andere machen; wirklich gut läuft es nur, wenn man Macht und Geld hat. Dazu muss man sich heute etwas einfallen lassen, denn unsere Gesellschaft pflutscht nicht mehr von alleine, wir stecken in der Krise, also müssen wir irgendwie einen Gang zurückschalten.

Aber wie schon das „Lebensleiter“-Gedicht von Eugen Roth beschreibt, ist das Zurückschalten nicht so einfach und für viele beginnt dann das Überlegen, wie sie auf ihrem Standard bleiben können trotz Krise. Und klar, das funktioniert: sie ändern nichts an sich selbst, sondern ändern das Leben der anderen: weniger Geld, längere Arbeitszeiten, kein Probengeld mehr, Bestechung, Betrug und so vieles mehr.

Eine Zeit lang geht das gut, weil wir als arbeitende Bevölkerung, vom Klempner bis zum Filmstar irgendwie immer noch leben können, die einen besser, die anderen weniger gut. Aber jenseits des Geldes gibt es Ethik – und zwar für JEDEN von uns, und da haben wir jetzt einen Punkt erreicht, wo das berühmte Fass überläuft.

Es beginnt das Diskutieren, die Menschen machen den Mund auf, wir sehen plötzlich, dass es vielerorts auf unserem Planeten ähnlich läuft und wir sind endlich nicht mehr bereit, die Spielchen der Mächtigen mitzuspielen.

Das ist auch der Moment, wo wir wirklich verstehen, was für ein gigantisches Netzwerk wir sind und dass wir es aktivieren können…..danke an Elisabeth für den Grundstein, den sie hier für uns alle gelegt hat. Sie rüttelt an den starren Strukturen und setzt sich den Wellen aus, die über ihr zusammenbrechen werden, und wir können an ihrer Seite sein, und sie stützen. Nicht wegen der teuren Salzburger Festspiele oder der mächtigen Opernchefs, sondern für jeden Klempner und Büroangestellten und Zeitungsschreiber und Müllmann.

Wir brauchen einander!

Deswegen ist es nötig, dass wir die Augen weit öffnen und wirklich HINschauen, den Blickwinkel erweitern, Dinge in neuem Licht sehen, Strukturen hinterfragen, aufmerksam und bewusst sind und auch immer mehr wahrnehmen, wer WIR in all diesem Gefüge sind. Ist es stimmig, was wir hier treiben? Braucht es Veränderung?

Wenn wir endlich unsere eigene Präsenz und unseren Wert begreifen, können wir das Leben neu gestalten!

Die Kraft liegt in der Gemeinsamkeit…und ich meine hier nicht, dass wir gemeinsam GEGEN etwas vorgehen, sondern dass es zwischen den Fronten zu Verständnis, Respekt und Kommunikation kommt und wir miteinander verändern können!

In diesem Sinne…..volle Kraft voraus!

Marlis Petersen

 

1 Comment

  1. Posted on: 5-17-2014

    “Die Kraft liegt in der Gemeinsamkeit…und ich meine hier nicht, dass wir gemeinsam GEGEN etwas vorgehen, sondern dass es zwischen den Fronten zu Verständnis, Respekt und Kommunikation kommt und wir miteinander verändern können!” ???

    Ich denke, dass die Zeit für Verständnis schon lange vorbei ist. Politiker, Wirtschafts- und Bankenmilliardäre sowie Lobbyisten, Manager in allen Bereichen des Lebens haben in den letzten Jahrzehnten den Respekt vor den Menschen verloren und kommunizieren von oben herab.
    Wie es viele Menschen im Ausland bereits registriert haben, sind die Deutschen gar nicht mehr in der Lage zu protestieren oder sind keine Wutbürger mehr, da sie vor der Obrigkeit kuschen, nur hinter vorgehaltener Hand meckern und Angst um ihre Arbeitsplätze haben. Ein Gemeinsames Aufbegehren wird nur sehr sehr schwierig umzusetzen sein – sei es gegen Mißstände in der Politik, Wirtschaft, Kultur, Religion usw. – aber dies muss der Bürger erst wieder lernen um gegen eine scheinheilige Demokratie anzugehen und ihre Rechte durchzusetzen zu können.
    ich hoffe daher, dass dies ein erster Schritt in diese Richtung ist, aber wenn sich zu den oberen Etagen hin in der Zukunft sich nichts sichtbares bewegt sollte man auch an andere Formen des Protestes denken – denn nur jammern und diskutieren alleine reicht in unserer Gesellschaft nicht mehr aus.
    In Hoffnung auf positive Tendenzen

    David Frey

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