Liederabende | Recitals

Copyright: Mindener Tageblatt, 1.11.2016. Texte und Fotos aus dem Mindener Tageblatt sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit schriftliche Genehmigung der Redaktion.Minden – 29. Oktober 2016

Ein großes Wagnis

“… Elisabeth Kulmans Bühnenpräsenz und ihre elegante Erscheinung nehmen sofort gefangen. Und wenn sie dann mit ihrer Liedinterpretation beginnt, erhebt sie den Hörer in eine andere Welt. … Der Abend war ein Genuss, und wer anwesend war, wird dieses großartige Konzert noch lange in Erinnerung behalten.”

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Kaiserslautern – 27. Oktober 2016

review_kaiserslautern2016Ein Gesamtkunstwerk
Elisabeth Kulman gastiert mit einem außergewöhnlichen Liederabend in der Kaiserslauterer Fruchthalle

Der Ruf als einer der führenden Mezzosopranistinnen eilt ihr voraus, vielen gilt sie als Publikumsliebling Nummer ein. Vor eineinhalb Jahren hat sich Elisabeth Kulman offiziell vom Opernbetieb verabschiedet – und macht jetzt nur noch ihr eigenes Ding. Wie herrlich das klingt, erlebte das Publikum am Donnerstagabend in der Fruchthalle in Kaiserslautern.

Zum Abheben schön. Angefangen mit diesem aufregend anderen Schumann: Auszüge aus der “Frauenliebe”, den “Kinderszenen” und den “Kulman-Liedern” zusammengefasst zu einem neuen Zyklus. Als hätte es Schumann so gewollt. Unweigerlich stolpert man über die Namensgleichheit. Nein, es besteht nicht die entfernteste Verwandtschaft zwischen ihr und der 1825 im Alter von 17 Jahren verstorbenen, von Schumann als “himmlische Erscheinung” umschwärmte Dichterin.

Schumanns für damalige Verhältnisse bahnbrechende künstlerische Auseinandersetzung mit der sensiblen Psyche von Kindern und jungen, von leidenschaftlicher Liebe getriebenen Frauen eint dieses spannende, von Pianist Eduard Kutrowatz und Elisabeth Kulman in innigster Verschmelzung vorgetragenen Experiments.

Das Ergebnis: Musik aus einem Guss und Konzentration pur, die dem Publikum nicht die geringste Chance zu Applausbekundungen lässt. Auch nicht zwischen den eingestreuten Schubert-Stücken. Alles verschmilzt zu einem von Eduard Kutrowatz mit unmissverständlichen Handbewegungen und Blicken gesteuerten Gesamtkunstwerk.

Facettenreicher geht es kaum. Diese Stimme, dieser Autritt, diese Präsenz: Elisabeth Kulman bringt die vielen 100 Schumann’schen und Schubert’schen Seelen mit ihrer betörend warmen, in allen Registern perfekt austarierten Stimme zum Leuchten. Man glaubt angesichts dieser Überdosis an subtilster Lyrik kaum an ihr vorheriges Leben als Operndiva.

Ein herber Verlust für die Oper? Jede Medaille hat zwei Seiten. Jetzt begibt sie sich auf neue, unkonventionelle Pfade. “La femme, c’est moi” heißt das neue Soloprogramm der musikalischen Femme fatale – eine Genregrenzen sprengende Angelegenheit für eine Sängerin, die sich in keine Schublade, in keine Rollenfächer mehr drängen lassen möchte. In ihrer Zugabenserie gibt sie uns mit ihrer köstlich humoristischen Kästner-Parodie über eine von der Natur in jederlei Hinsicht benachteiligten Chansonnière eine Kostprobe ihrer unglaublichen Wandlungsfähigkeit. Als glutvolle, erotisch lockende Zigeunerin erscheint sie uns zuvor in den einschlägig bekannten Vertonungen von Liszt und Brahms, als Todgeweihte in Schuberts “Der Tod und das Mädchen”, als Schmachtende in der “Frauenliebe” – oder: als treusorgende Mutter in den Wiegenliedern von Brahms, Schumann und Schubert.

Totale Ruhe in der Fruchthalle, ein Gefühl von unendlicher Entspannung breitet sich aus. Ihre Mezza-Voce-Stimme erzeugt Gänsehaut. Ein klangvolleres Pianissimo hat man noch nie zuvor gehört. Zum Abheben schön.

Markus Pacher, Die Rheinpfalz, 29.10.2016


 

Schubertiade Hohenems – 7. Oktober 2016

Es passt alles bei dieser unangepassten Künstlerin

Es passt alles bei dieser unangepassten Künstlerin

Es passt alles bei dieser unangepassten Künstlerin
Die Mezzosopranistin Elisabeth Kulman sorgte für ein Ereignis.
Nach rekordverdächtigen 90 Konzerten in immerhin sechs Programmblöcken seit Mai in Schwarzenberg und Hohenems ist im Markus-Sittikus-Saal die Jubiläumssaison zum 40-jährigen Bestehen der Schubertiade zu Ende gegangen. Kurz davor sorgte die hinreißende Elisabeth Kulman mit ihrem zweiten Soloauftritt noch für ein Ereignis. „Meine Ruh‘ ist hin“ singt sie in Schuberts „Gretchen am Spinnrade“ und ist doch die Ruhe selbst, steht unbewegt auf der Bühne, lässt ihre Persönlichkeit wirken und ihren kostbaren Mezzo strömen, den sie so toll unter Kontrolle hat.
Es kommt nur ein Minimum an äußerem Ausdruck, alles Übrige läuft über Intensität und Konzentration, die sich auf die gebannt lauschenden Hörer übertragen. Der Eindruck passt genau zu dieser unangepassten Künstlerin, die nach Jahren als Publikumsliebling der Wiener Staatsoper seit dem Vorjahr den Zwängen des Opernbetriebs entsagt und nur noch Konzert und Lied singt, dies dafür mit so ausgeklügelten Programmen wie hier.
In ihrer Reihung ernster Schubert-Lieder spielt der Tod eine nicht unerhebliche Rolle. Mehrmals erzählt sie packend davon, zweimal ist sie der Tod selbst in wörtlicher Rede und dabei mit ihrer Diktion und ihrem dunklen Timbre so zwingend, dass es einen fröstelt. Sie porträtiert Frauengestalten wie „Die junge Nonne“ oder „Mignon“ und gibt jeder Figur ein klar eigenes Profil, bettet diese neun Schubert-Lieder aber nahtlos in eine Art Medley, das eingerahmt wird von Schubertwalzern am Klavier. Das ergibt ein stimmiges Ganzes, weil bei Schubert auch Walzer immer traurig klingen. Eduard Kutrowatz spielt jenen in As-Dur freilich so sentimental, dass man unwillkürlich an den im „Dreimäderlhaus“ dazu unterlegten Text erinnert wird: „Und trägt am schwellenden Mieder sie blühenden Flieder …“ Im Übrigen nimmt sich ihr ständiger Klavierbegleiter gegenüber dem Vorjahr deutlich zurück.
Die Sängerin selbst zündet im konträren zweiten Teil mit seltenen Petitessen von Franz Liszt und ihren imponierenden stimmlichen Möglichkeiten ein farbenreiches Feuerwerk in gleich sechs Sprachen. Dies gibt ihr Gelegenheit, mit einem Augenzwinkern und winzigen Andeutungen nun auch ihre schauspielerische Begabung diskret ins Spiel zu bringen und damit manches Schmunzeln im Publikum auszulösen. Ein weiteres Mal hält der gut besetzte Saal beim üppigen Zugabenreigen den Atem an: Nach einem so strapaziösen Programm noch Schumanns „Mondnacht“ als Encore anzubieten, braucht schon Mut. Jubel im Saal!
Fritz Jurmann, Vorarlberger Nachrichten, 12.10.2016

Sich wandeln und neu erfinden
Elisabeth Kulman und Christiane Karg begeistern mit ihren Interpretationen
Hohenems – Ein letztes Mal für dieses Jahr gab es im Markus-Sittikus-Saal einige hochkarätige Schubertiadekonzerte mit Liederabenden, Kammermusik und Klavier. Zu erleben waren zwei Sängerinnen mit großer Ausstrahlung: Elisabeth Kulman in ihrer ungeheuren Ausdruckstiefe in Liedern von Schubert und Liszt und Christiane Karg an der Seite des Schweizer Tenors Mauro Peter in einem herzerwärmenden Volksliederreigen aus der Feder von Johannes Brahms. So unterschiedlich wie die Werke waren die beiden Liedpianisten Eduard Kutrowatz und Helmut Deutsch.
Einige Wandlungen hat die 43-jährige Burgenländerin Elisabeth Kulman im Laufe ihrer Karriere durchlaufen: Zunächst studierte sie Sprachen und sang in großen Wiener Chören, nach ihrem Gesangsstudium gestaltete sie die Sopranpartien vor allem der Mozartopern. 2004 wechselte sie ins Mezzosopranfach, hat aber, wie man hören kann, ihre Sopranhöhe behalten und die Stimme in die Tiefe hin ausgebaut: Großer Ambitus und intensive Rollengestaltung kamen und kommen ihren Interpretationen zugute, vermag sie doch mit den Registern, der samtigen Tiefe ebenso wie flammender Höhe, wie wenige andere zu spielen. Entsprechend breit ist ihr Repertoire im Konzert- und Opernbereich, Neugier auf spezielle Liedprojekte wie etwa die auf CD festgehaltene Zusammenarbeit mit Amarcord Wien und Liedern von Gustav Mahler in wunderschönen Bearbeitungen erweitern ihr Spektrum zusätzlich. Dramatisch und bedrohlich war ein Bühnenunfall, bei der sie einen heftigen Schlag auf den Kehlkopf bekam und monatelang schweigen musste. Die Stimme hat sich glücklicherweise erholt, Elisabeth Kulman konnte ihre Auftritte in Konzert und Oper wieder aufnehmen, setzte sich zusätzlich ebenso intensiv für faire Arbeits- und Probenbedingungen im Musiktheater- und Festspielbetrieb ein. Im vergangenen Jahr hat sie sich entschlossen, nur noch mit Liederabenden, geistlicher Musik oder konzertant dargebotenen Opern aufzutreten: Ein weiterer Schritt, der ihren Opern-Fans wehtut, ihrer Stimme und ihrem Charisma jedoch nicht schadet.
Denn auch wenn man der sechs Sprachen, die sie allein in ihrem Liszt-Programm singt, nicht mächtig ist (bei Russisch und Ungarisch werden wohl viele passen müssen), ist ihre Vielfalt des Ausdrucks faszinierend. Mit ihrem Pianisten Eduard Kutrowatz, Burgenländer auch er und Intendant des Liszt-Festivals in Raiding, der Geburtsstadt des Komponisten, hat sie die Lieder von Liszt eingespielt, die ja in dessen Gesamtwerk und im Repertoire der Liedersänger eher eine untergeordnete Rolle spielen. … die Sängerin, die im kleinen Rahmen des Lieds faszinierende Portraits von Mignon, Gretchen, der jungen Nonne oder dem König in Thule zeichnet. Mit ihrer Bühnenpräsenz, die ganz auf Stimmfarben, Sprache und Ausdruck und kaum auf große Gesten setzt, macht Kulman die Lieder lebendig. Die Position der Sängerin im Rücken des Pianisten und allein in der Mitte der Bühne ist allerdings nicht glücklich in Bezug auf die Klangbalance, gibt ihr aber mehr Gestaltungsspielraum. Spannend bleibt, welche Entwicklungen diese Künstlerin in den nächsten Jahren zeigen wird. …
Katharina von Glasenapp, Schwäbische, 14.10.2016


Wiener Musikverein – 4. Oktober 2016

Stimmungskunst
Elisabeth Kulman: Das ist – bekanntermaßen – eine nicht nur gute, sehr profilierte Sängerin, sondern eine sehr gute. Nicht nur was die Stimme anbelangt, was Sauberkeit, Technik und Stil betrifft. Sondern vor allem auch was Programmkonzepte und Abenddramaturgie angeht. Was ihr Abend im Musikverein erneut bewies.
Ein Abend mit Schubertund Liszt-Liedern! Und das eindrucksvoll! Dunkel ist der erste Teil. Kulman dekliniert Schubert-Klassiker wie das „Gretchen am Spinnrade“und „Der Tod und das Mädchen“durch und zeigt düstere Farben, Angst, Verzweiflung, Resignation in wunderbaren Farben.
Liebe und Tod werden abgehandelt, und eng scheint die Beziehung der beiden zu sein. Und obgleich sie Atmosphäre erzeugen kann und sehr griffige Stimmungen entwirft, bleibt sie doch im Konzertbereich.
Keine große Oper ist es, die sie hier bringt, sondern Liedgesang. Die Nummern gestaltet sie mit schön gezogener Linie, mit erdiger Tiefe und unprätentiöser Interpretation: Die Kraft liegt in der Musik, nicht im großen Spiel oder einer Show.
Es ist glücklicherweise kein atemloser Schubert, kein gesteigertes Psychodrama à la Ian Bostridge. Sondern, bei aller Intensität der Aussage, ein ruhiger Fluss. Bei dem eines zum anderen führt. Und es ist Liedgesang, der aufmerksam werden lässt, der keine Ablenkung duldet. Kulmans Atout, die satte, manchmal mit herben Noten angereicherte Stimme, ist hier ideal!
Im zweiten Teil dann Liszt-Lieder: italienisch, un- garisch, russisch, französisch, englisch, deutsch! Die Sängerin nimmt das Publikum dabei auf eine Reise mit, die abwechslungsreich ist. Voll Spannung. Und aufregend. Und spielerisch im Szenischen, sodass man bedauert, dass sich die Kulman von der Opernbühne verabschiedet hat und nur noch in Konzerten auftritt.
Ihr verlässlicher Begleiter und behutsam animierender Partner war Eduard Kutrowatz, der wie Kulman Burgenländer ist.
Oliver Láng, Kronenzeitung, 6.10.2016

Tod und Tändeleien
Liederabend von Elisabeth Kulman im Musikverein.
Es gehe ihr “so gut wie noch nie im Leben”, weiß Elisabeth Kulman zu berichten. “Musikfreunde”, das Magazin des Wiener Musikvereins, porträtiert in seiner aktuellen Ausgabe eine Sängerin, die mit der Opernwelt zwar radikal gebrochen hat (es gebe dort “doch auch musikfremde Menschen”, die “letztlich am Hebel sitzen”), als Individuum nun aber im Einklang mit ihrer “inneren Stimme” lebe.
Dieser Bruch mit der Oper ist zu respektieren – dennoch darf man ihn bedauern. Denn Kulman besitzt geradezu die Idealausstattung für die große Bühne: Ihr rot glosender, vom Alt bis ins Mezzo-Register reichender Klang bricht bei hohen Lautstärkegraden nicht ein, sondern gewinnt noch an Prägnanz und Dichte; zugleich betört diese Stimme im Piano mit luftigen Bögen, und sie weiß auch als Trägermedium der menschlichen Emotion eine enorme Bandbreite auszuschöpfen. Kurzum: ein Königreich für Elisabeth Kulman auf der Opernbühne.
Vom einfühlsamen Eduard Kutrowatz klavierbegleitet, glänzten diese Fertigkeiten nun zumindest in einem Liederabend im Brahms-Saal. Gewiss: Mit Schuberts “An den Mond” anzufangen zeugte von Mut, müsste die Stimme für diese Silber-Ode doch schon die volle Betriebstemperatur erlangt haben. Die war dann aber rasch hergestellt in dem Schubert-Block. Das fahrige “Gretchen am Spinnrade”, auch die als Existenzerfahrung dargereichte Szene “Der Tod und das Mädchen” setzten Highlights an bedrückender Düsternis. Diese warf dann noch einige Schatten auf die Liszt-Hälfte, sah dort aber auch fidele Kontraste, etwa das kokette “Was Liebe sei?” oder das Porträt der müßigen “Drei Zigeuner”. Vier Zugaben, darunter die sanfte Überwältigung “Es muss ein Wunderbares sein”: Jubel.
Christoph Irrgeher, Wiener Zeitung, 6.10.2016

Eine Sternstunde des Liedgesangs fand im Brahmssaal des Wiener Musikvereins statt. Elisabeth Kulman, die herausragende Mezzosopranistin des deutschsprachigen Raumes – leider nicht mehr auf der Opernbühne zu hören – gab einen Liederabend der besonderen Art. Vor der Pause sang sie ausgewählte Lieder von Franz Schubert, überwiegend eher melancholische Stücke (unter anderem „An den Mond“, „Der König von Thule“, „Der Tod und das Mädchen“), die sie mit ihrer warm timbrierten Stimme, die von den tiefen Registern bis zu den kräftig und sicher gesungenen Höhen eindrucksvoll interpretierte. Aus dieser Reihe muss aber doch „Das Mädchen am Spinnrad“ herausgehoben werden, in dem sie ihre temperamentvolle Ader, die große Bühnenerfahrung und ihre einmalige Gestaltungskraft demonstrieren konnte.
Nach der Pause standen Lieder von Franz Liszt auf dem Programm. Hier kam neuerlich ihre Gestaltungskraft, aber auch ihre sprachliche Vielseitigkeit zur Geltung. Je ein Lied in russischer, französischer, italienischer, englischer und ungarischer Sprache sang sie mit großem Einfühlungsvermögen in den jeweiligen Sprachstil. Daneben gab es natürlich auch noch die bekannten Stücke „Vergiftet sind meine Lieder“ und „Die drei Zigeuner“, aber auch – als interessanter Gegenpol zur Schubert-Version „Der König von Thule“. …
Johannes Marksteiner, Merker-Online, 5.10.2016


Musikverein Graz 2016

Die Klassik-Diva von Nebenan
Mezzo Elisabeth Kulman begeisterte im Grazer Musikverein
Es ist kein Ruhmesblatt für den Klassikbetrieb, dass engagierte und denkende Künstler dermaßen auffallen. Elisabeth Kulman ist so ein Exemplar. Die Mezzosopranistin hat ein Hirn und setzt es ein: Abseits der Bühne und auf der Bühne. Im Stefaniensaal begeisterte sie mit ihrem Lieder-Programm “frauen.leben.liebe”.
Sie wirkt wie der Kumpeltyp, bodenständig, vernünftig. Diese Erdung geht mit einem hellwachen, kritischen Geist einher, der sich gegen Konventionen des Kunstbetriebs sträubt. Egal, ob die Kulman sich für bessere Arbeitsbedingungen für Künstler engagiert, oder – wie letztes Jahr – schon vor dem Zenit ihrer Karriere den Rücktritt von der Opernbühne bekannt gibt.
Sänger sind ja leider zur Verschubmasse im Opernbetrieb degradiert worden, auf einem Markt der von Regisseuren und Intendanten dominiert wird. Kulman vertraut nun lieber sich selbst und bastelt eigene Programme – und was für welche!
Ihr Programm “frauen.leben.liebe” spürt den Facetten weiblicher Sehnsucht, weiblicher Liebe nach. Es ist kein bunter Abend, sondern eine klug zusammengestellte Liederfolge mit klarer Dramaturgie, von Eduard Kutrowatz kundig begleitet. Die Lieder stammen alle von Männern (Liszt, Schubert, Schumann, Wagner), die Texte jedoch auch von Frauen. Egal ob Goethes Mignon, Schuberts “Tod und das Mädchen” oder die etwas schwülen Wesendonck-Lieder von Wagner: Elisabeth Kulman lässt diese Lieder in allen Facetten schillern. Extrem wortdeutlich, mit einer klaren Stimme, die in der tiefen Region zwischen intensivem Rot und dunklem Bernstein leuchtet, zeigt sie sich als ganz große Liedinterpretin. Wie Kulman Klang und Rhetorik vereint, wie sie zauberhafte, süße Legatobögen spinnt, ohne den Wortsinn zu verleugnen, und wie die Stimme auch im hauchzarten Piano noch substanziell tönt – das alles hat Klasse. Als Zugabe gab es Liszt und Standing Ovations seitens des Publikums.
Martin Gasser, Kronen Zeitung, 6. Februar 2016

Kontrastreiche Leidenschaft starker Frauen
Elisabeth Kulmans Hingabe an die Romantik
“frauen.leben.liebe”: Es war ein Programm im Stephaniensaal, das von Themen der Leidenschaft nur so strotzte. Robert Schumanns sieben Vertonungen von Texten der russisch-deutschen Dichterin Elisabeth Kulmann (ja, tatsächlich, fast Namensvetterin!) sowie Richard Wagners Wesendonck-Lieder sind Zeugnisse dafür, dass Geschichten über die Liebe ehrlich berühren, wenn Wort und Musik ideal verschmelzen. “Träume, wie wenn Frühlingssonne aus dem Schnee die Blüten küsst”, heißt es etwa im fünten Wesendonck-Lied.
Elisabeth Kulman träumte und erzählte dem Musikverein-Publikm von Schönheit und Vergänglichkeit der Natur, von der Liebe und dem Leben oder auch von der Sünde kurzer Küsse. Die renommierte Mezzosopranistin schlüpfte mit farbenreicher Stimme und imposanter Mimik für Franz Schuberts Lied in die Rolle des Todes und des Mädchens, das in seinen Armen “sanft schlafen soll”. Die 42-jährige Burgenländerin bezauberte zudem in dessen “Wiegenlied” mit schlankem, weichem, süßen Ton oder zitterte mit Körper und Stimme, als sie im Finale von Schumanns Zyklus “Frauenliebe und -leben” vom Verlust des geliebten Ehemannes sang. Pianist Eduard Kutrowatz erwies sich erneut als aufmerksamer Begleiter, und speziell in der Zugabe – “Die drei Zigeuner” von Franz Liszt – bündelte das Duo sichtlich vergnügt seine Energien.
Ausnahmesängerin Elisabeth Kulman
Marie Huber, Kleine Zeitung, 6. Februar 2016

Eine opernabstinente Bühnenpersönlichkeit!
… Elisabeth Kulman und ihr Klavierpartner Eduard Kutrowatz haben für Graz das Programm ihrer im Jahre 2014 am historischen Érard-Flügel in Wagners Villa Tribschen bei Luzern aufgenommenen CD mit drei großen Frauenzyklen (Schumanns “Frauenleben und -liebe”, Schumanns Lieder nach Gedichten der deutsch-russischen Namensvetterin Elisabeth Kulmann sowie Wagners Wesendonck-Lieder) mit dem Programm ihrer Liszt-CD des Jahres 2011 durchmischt, auch Schubert-Lieder wurden dazu genommen. So entstand ein buntes Kaleidoskop – die Zyklen wurden aufgebrochen, nur Teile wurden gesungen – und im 2. Teil wurden zusätzlich solistische Klavier-Miniaturen aus Schumanns Kinderszenen eingefügt, die Schumann in einem Brief an seinen Freund Carl Reinecke „Rückspiegelungen eines Älteren für Ältere“ bezeichnet hatte.
Elisabeth Kulman – mit ihren 42 Jahren wohl auf einem Höhepunkt ihres Lebens und ihrer Gestaltungskraft stehend – ist eine fesselnde Persönlichkeit, die ein reines Liederprogramm in ein Musikdrama, in ihr ganz persönliches Drama zu verwandeln versteht, das sie dem Publikum offenlegt und das sie mit ihm teilen will. An diesem Abend gewann man den Eindruck, für Kulman sei dieses Programm in Schumanns Sinne wirklich eine „Rückspiegelung“: im Spiegel der ausgewählten Werke gewährt sie dem Publikum einen bewegenden Rückblick auf ihre bisherigen künstlerischen und persönlichen Lebenserfahrungen. Das Programm beginnt mit dem verbitterten Ausbruch „Vergiftet sind meine Lieder“ (Franz Liszt/Heinrich Heine) und spannt den Bogen über alle Facetten der Liebe und Verzweiflung bis zum verklärt-friedlichen Ausklang in der Mondnacht (Robert Schumann/Joseph von Eichendorff). Das Programm ist charakterisiert durch ungewohnte Gegenüberstellungen – man hörte so Altgewohntes völlig neu. Wann hat man je so Berührendes gehört und erlebt, wie etwa Kulmans Gestaltung von Schuberts „Der Tod und das Mädchen“, die nahtlos in Schumanns Mondnacht überging – wahrhaft: die Seel flog durch die stillen Lande nach Haus. Großartig und unvergleichlich!
… Exquisite Einmaligkeit war beispielsweise wie auf Schuberts träumerisch-hoffnungsloses Mignon-Lied Nur wer die Sehnsucht kennt unmittelbar Schuberts Die junge Nonne folgte – von Kulman als glutvolles Seelengemälde von ergreifendem Ernst mit dem ungeheurem Farbenreichtum ihrer Stimme perfekt gestaltet – und ebenso unvergleichlich und exquisit war es, wie an das ausklingende fromme Alleluja der jungen Nonne Richard Wagners Träume anschlossen. Das waren große Momente der Liedgestaltung!
Im 2.Teil war man dann besonders berührt, mit welch schlichter Einfachheit und gleichzeitiger Stimmraffinesse die Kulman das Muttersein in Schuberts Wiegenlied (in phänomenal-klarem Pianissimo, das spontanen Beifall auslöste!) und in Schumanns An meinem Herzen gestaltete, aber es bewegte auch die Atemlosigkeit in Schumanns Ich kann’s nicht fassen, nicht glauben.
Maßstab setzend war auch Kulmans Interpretation von Schumanns Nun hast du mir den ersten Schmerz getan – wann hat man je die Passage Die Welt ist leer je verzweifelter hören können?
Mit ihrer perfekten Technik und ihrem warmen Kupfertimbre konnte Kulman es sich erlauben, das offizielle Programm in überragender Ruhe mit Schumanns Mondnacht zu beenden. Danach wagte man kaum zu klatschen – und selbst die notorischen Bravo-Brüller verstummten und traten Gott sei Dank erst beim zweiten Verbeugen auf den Plan. Der Beifall und der Jubel des Publikums waren groß und warm.
Der Zugabenteil war ein Kabinettstück der Bühnenkunst: Zuerst trat nur der Pianist auf die Bühne und begann mit dem (14 Takte langem!) Vorspiel – erst dann trat die Kulman dazu und gestaltete Liszts Die drei Zigeuner mit dem reichen Schatz all ihrer darstellerischen und stimmlichen Mittel. Für alle, die an diesem Grazer Abend dieses Lied erlebt haben, lohnt es sich unbedingt, sich Kulmans über 4 Jahre alte Youtube-Aufnahme anzuschauen – dann weiß man, was ich eingangs mit „Rückspiegelung“ gemeint habe. Heute erlebten wir eine andere, eine gereifte Kulman auf einem Höhepunkt ihrer Kunst! Und dann gab es noch zwei weitere Liszt-Lieder: Enfant, si j’étais roi nach Victor Hugo und Go not, happy day nach Alfred Tennyson. Auch in diesen beiden Liedern konnte die Kulman ihre sprachliche Präzision und ihre ungeheure Bühnenpräsenz eindrucksvoll unter Beweis stellen.
Graz kann sich schon jetzt auf den Juli freuen: da wird die Kulman (wieder mit Eduard Kutrowatz am Flügel, aber auch mit den „Wiener Theatermusikern“) das Konzertpodium der Styriarte zur Opernbühne werden lassen. Unter dem Titel „La femme, c’est moi“ ist angekündigt: Musik von Saint-Saëns (Mon cœur s’ouvre à ta voix), Bizet (Habanera), Weill (Ballade von der Seeräuber-Jenny), Hollaender (Raus mit den Männern aus dem Reichstag), Porter (I hate men) u. v. a.
Elisabeth Kulman ist also zur Freude ihres Publikums nicht ganz opernabstinent!
Hermann Becke, deropernfreund.de, 5. Februar 2016


 

Salzburger Festspiele 2015

Kulman singt statt Garanča: Ein Liederabend von Festspielformat
Elisabeth Kulman springt für Elina Garanča ein und gestaltete mit Eduard Kutrowatz einen klug programmierten Liederabend, intim mit Liebe und Nacht, Tod und Traum.
Elisabeth Kulman und Eduard Kutrowatz gestalteten im sogenannten „Haus für Mozart“ einen hinreißenden Liederabend, der unter anderem auch einer Ehrenrettung Franz Liszts gleichkam.
Die beiden Künstler setzen sich ja seit Jahren für die Musik des notorisch falsch und vor allem unterbewerteten Romantikers ein – und konnten dies nun, einspringenderweise an Stelle von Elina Garanča, sozusagen auf höchster Ebene tun.
Zwar wollte das Salzburger Publikum die ganz offensichtliche Dramaturgie von zwei pausenlos ablaufenden Sinneinheiten nicht mittragen und applaudierte begeistert mitten in die inhaltlich klug verschränkten Lied-Gedankenblöcke.
Aber andererseits: Die Kunst der Kulman, endlose, fast unhörbare, doch stets konsistente Pianissimo-Phrasen zu modellieren, fordert anerkennende Begeisterung ja tatsächlich heraus: Dass nach Schuberts ätherisch gehauchtem „Wiegenlied“ und der darauf folgenden spontanen Jubelunterbrechung der Faden sogleich wieder aufgenommen war, sprach wiederum für die Konzentrationsfähigkeit der Zuhörer; von jener der beiden vollkommen aufeinander eingespielten Künstler ganz zu schweigen …
Franz Liszts Zukunftsvisionen
Liszt-Lieder in verschiedenen Sprachen standen im ersten Teil des Abends dreien von Wagners „Wesendonck-Liedern“ gegenüber, „Tristan“-Studien, die – das war sozusagen die musikhistorische Botschaft des Programms – quasi nahtlos aus Liszts kühnen, harmonischen Funden herauszuwachsen scheinen.
Nach der Pause dann Ausschnitte aus Schumanns „Frauenliebe und -leben“, verschränkt mit „Glückes genug“ aus den „Kinderszenen“, inhaltlich subtil die Erzählung weiterführend, wiederum Liszt, zuletzt Schubert. Romantik in dreierlei Gestalt, Liebessehnsucht, Todesbeschwörungen gespenstischer („Geistertanz“), dramatisch-abgründiger („Der Zwerg“) und metaphysischer Art („Der Tod und das Mädchen“).
Die Wandlungsfähigkeit der Kulman ist faszinierend: Rede und Gegenrede setzt sie farblich deutlich voneinander ab, Gefühlsausbrüche bringt sie – introvertiert wie extrovertiert – anrührend zum Klingen; Seufzer und Tränen, Realistisches wie ironische Brechung. Und doch hat ihre Liedkunst nichts Artifizielles, sondern wirkt natürlich und schlicht, wie übrigens auch das Klavierspiel von Eduard Kutrowatz, der schon in den einleitenden Zymbalklängen der „Drei Zigeuner“ den Rahmen improvisatorischen Rubato-Spiels abzustecken wusste und hernach einfühlsam jede sanfte rhythmische Rückung der Singstimme mittrug.
Wie verabschiedet man sich nach einem dermaßen sinnreich gerundeten Programm? Elisabeth Kulman erinnerte an ihr Salzburger Festspieldebüt und sang Glucks Orpheus-Arie, die, richtig verstanden wie diesmal, die schmerzhafteste Dur-Kantilene der Musikgeschichte enthält. Danach gab es zwei doch wieder ironisierende Liszt-Vignetten und Schuberts „Nacht und Träume“ zum Beschluss: „Heilige Nacht“ …
Wilhelm Sinkovicz, Die Presse, 9.8.2015

Liebesfreud und Liebesleid bis zum Tod
Mit großer Ernsthaftigkeit und Gestaltungskraft zeigte sich Elisabeth Kulman als Liedersängerin par excellence. Ursprünglich war Elína Garanca für den Festspielliederabend im Salzburger Haus für Mozart vorgesehen gewesen, aber schon vor Wochen hatte sie ihren Auftritt aus persönlichen Gründen abgesagt. Kulman erwies sich nicht nur als vollwertiger Ersatz, sondern machte facettenreich auf ihre besonderen Qualitäten als Liedersängerin aufmerksam. Die Zuhörer feierten sie am Ende mit begeisterter Zustimmung.
Kulman ist unkonventionell in jeder Hinsicht. Das zeigte schon die äußere Form. Sie stand nicht wie üblich vor dem Flügel, sondern im Zentrum der Bühne mit dem Klavier und Pianisten seitlich neben sich. Die Liedauswahl war textbezogen abgestimmt und Sängerin und Pianist ließen die Lieder fast nahtlos ohne Zäsuren ineinander übergehen, was sich auch klanglich fügte und einen Bogen von großer Dichte spannte. Es ging vor allem um die Liebe in ihren vielfältigen Spielarten, vom Hochgefühl sehnsüchtigen und zärtlichen Liebesempfindens in einem großen Decrescendo hin zu Schmerzen, Eifersucht und Tod.
Sieben ausgewählte Lieder von Franz Liszt formten die erste Programmgruppe. Ungarisches Kolorit blitzte auf zum Auftakt in der Lenau-Vertonung »Die drei Zigeuner«, die das Leben verschlafen, verrauchen, vergeigen und dreimal verachten. Kulman ließ diese Szene mit blühendem Stimmeinsatz zum Minidrama werden. Da war auch die Schauspielerin Kulman mit von der Partie, die überhaupt so manchem Lied mit dezenten Gesten, fein dosiert, szenische Anschaulichkeit verabreichte.
Der Ballade vom König von Thule ebenso wie der Heine-Bitternis »Vergiftet sind meine Lieder« näherte sich Kulman mit dramatischer Attacke. Liszts Klaviersatz ist für Pianisten Herausforderung ebenso wie Chance zum bravourösen Brillieren. Eduard Kutrowatz als Lisztkenner nutzte die Chance, seinem Spiel Profil zu verleihen und gleichzeitig die Sängerin auf ausgeprägtem Klangteppich zu betten. Die Korrespondenz zwischen Pianist und Sängerin wirkte in partnerschaftlichem Miteinander abgestimmt.
Aus Richard Wagners Wesendonck-Liedern folgten »Im Treibhaus«, »Schmerzen« und »Träume«. Die originale Klavierfassung erlaubte einen innigeren Stimmeinsatz als die oft verwendete Orchesterversion. Kulmans subtiler Gefühlsausdruck und ihre tonmalerische Klangpalette machten »Sag, welch wunderbare Träume«, in dem Tristananklänge schillern, zu einem Höhepunkt.
In eine Auswahl aus Schumanns »Frauenliebe und Leben« integrierte sie die Lisztlieder »Es muss ein Wunderbares sein« und »Ich liebe Dich« sowie Franz Schuberts »Wiegenlied«. Damit nahm quasi ihr eigener individueller Zyklus Gestalt an.
Die Nachtseite der Liebe repräsentierte die abschließende Schubertgruppe mit »Nachtstück«, »Der Tod und das Mädchen«, »Der Geistertanz« und »Der Zwerg«. Geradezu makaber ist die Ballade vom eifersüchtigen Zwerg, der der geliebten Königin den Tod gibt und sie tief ins Meer senkt, ihm jedoch »nach ihr das Herz brennt so voll Verlangen«. Als Zugabe antwortete sie auf den Zwerg mit der deutsch gesungenen wehmutsvollen Klage des Orpheus »Ach ich habe sie verloren« und verabschiedete sich schließlich mit Schuberts »Nacht und Träume«, in zauberisch filigraner Transparenz.
Kulman fand mit ihrem warmen Mezzo eine Vielfalt an Schattierungen, dynamischen Abstufungen und Zwischentönen vom hauchzarten Pianissimo, das manchmal fast an die Grenze des Tonlosen ging, bis zum üppigen Vollklang der Stimme in opernhafter Dramatik. Als Liedersängerin ist Kulman ein Juwel, die Darstellerin auf der Opernbühne in ihren repräsentativen Rollen wird man jedoch nach ihrem Entschluss, für Theaterproduktionen nicht mehr zur Verfügung zu stehen, vermissen. Elisabeth Aumiller, suedost-news.de (Traunsteiner Tagblatt), 11.8.2015

Von Liebe zu singen ist ein unermessliches Feld
Elisabeth Kulman gab einen Festspiel-Liederabend und zeigte sich in bester stimmlicher Verfassung.
Mag schon sein, dass man enttäuscht ist, wenn man einen Star mit großem Namen bucht und dieser dann absagt. Der Grund für Elena Garanca war diesfalls sehr persönlich und tragisch, und überall zollte man ihr dafür auch den gebührenden Respekt. Dass man es als “Einspringer” dann vielleicht doch nicht so leicht hat, liegt auf der Hand. Aber Elisabeth Kulman wusste am Freitag gemeinsam mit ihrem nobel zurückhaltenden Klavierbegleiter Eduard Kutrowatz Bedenken gar nicht erst aufkommen zu lassen.
Die Mezzosopranistin hatte kürzlich aufhorchen lassen, als sie sich entschloss, dem Opernbetrieb den Rücken zu kehren. Als Kämpferin für bessere Rechte und Arbeitsbedingungen der Künstlerkollegen ist sie eine Galionsfigur, die sich auch nicht scheute, sich mit so Großen wie dem ehemaligen Intendanten der Salzburger Festspiele, Alexander Pereira, anzulegen. Darüber mochte vielleicht ins Hintertreffen geraten, dass sie eine höchst individuelle, eigenwillige Stimmpersönlichkeit ist. Gut also, dass das mit diesem Liederabend nachhaltig in Erinnerung gerufen wurde.
Ihr knappes, aber höchst intensives Programm umkreiste die unendlichen Facetten der Liebe, zärtlich und bitter, schwärmerisch und spitz, melancholisch und dramatisch, in Beispielen, die – vielleicht mit Ausnahme des Wiegenlieds und “Der Tod und das Mädchen” von Schubert – rare Kostbarkeiten eines nicht gängigen Repertoires sind.
Dazu zählen besonders die vielfach spröden, in Melodieführung und pianistischen Klangexpressionismen kühn und modern anmutenden Lieder von Franz Liszt, von dem Lyrikvertonungen in sechs Sprachen vorliegen. In vier dieser Sprachen sang Elisabeth Kulman sozusagen mit polyglotter Zunge und hoch differenziertem Ausdruck, die das “Bühnentier” in ihr weckten, ohne dass sie, mit Ausnahme des effektvollen Auftritts zu den “Drei Zigeunern”, Zuflucht zu Äußerlichkeiten nehmen müsste.
Dafür hat sie nämlich stimmliche Möglichkeiten in großer Fülle: allerzärtlichstes In-Sich-Sein bei Schuberts “Schlafe, holder, süßer Knabe”, schwärmerische Inbrunst (in drei der Wesendonck-Lieder von Liszts Schwiegersohn Richard Wagner), feine ironische Untertöne (in den Doppeldeutigkeiten von Heine-Vertonungen) bis hin zu balladesken und dramatischen Ausbrüchen (besonders in den Schubert’schen “Dialogszenen” wie dem das Programm beschließenden “Zwerg”).
Die Farbpalette ihres Mezzosoprans ist von samtiger, wie Rubinrot funkelnder und dabei herrlich geschmeidiger Höhe bis zu profund “gesungener” und nicht bloß rezitativisch überformter Tiefe außerordentlich, jede Lage ist ausgeglichen und von ebenmäßiger, unangestrengter Leuchtkraft, die Register werden bruchlos verblendet, was der Geschlossenheit und präzisen Ausdruckskraft des Vortrags beste Dienste erweist.
Das Programm folgte zudem klaren dramaturgischen Linien, was auch heißt, dass Elisabeth Kulman sich aus Zyklen wie Schumanns “Frauenliebe und -leben” einzelne Nummern herausholt, die sie für den stringenten Zusammenhalt ihres eigenen Ganzen braucht. Bis in die Zugaben hinein ist das Programm gestaltet auf logisch natürliche Art, die zu Recht Begeisterung im Auditorium hervorrief. Ein spannendes und intelligentes Lied-Plädoyer abseits des Mainstreams.
Karl Harb, Salzburger Nachrichten, 10.8.2015

A music drama for voice and piano (Deutsche Übersetzung unten)
Elisabeth Kulman Recital, Salzburg Festival, 7 August 2015
Only an artist so gifted in thespian adroitness could catalyze and animate a programme of such unconventional structure.
The sequence of works, on initial viewing, appears almost capricious, juxtaposing excerpts from song cycles such as Schumann’s Frauenliebe und -leben between items by Liszt and Schubert, adding Schumann’s Glückes genug (Nr. 5 Kinderszenen, opus 15) as a piano solo between Ich kann’s nicht fassen, nicht glauben (Frauenliebe und -leben Nr. 3) and Süßer Freund, du blickest, and An meinem Herzen, an meiner Brust (Frauenliebe und -leben Nr. 5 and 6), while following a block of Liszt (which included Die drei Zigeuner S 320, Go not happy day S 335, Es war ein König in Thule S 278 and Vergiftet sind meine Lieder S 289) with three of Wagner’s Wesendonck Lieder.
Subsequently it becomes apparent that this programme is a cleverly interlaced music drama for voice and piano.
The common denominator is love in its multifarious designs and consequences – in part drawn from biographical aspects of the selected composers’ lives – and constructed into a brilliant one-woman dramaturgy in which not simply words and mood, but tempi and tonality – are interlinked or separated by design (alas interrupted on a couple of occasions by – understandably – spontaneous applause).
Elisabeth Kulman is a singer gifted not only with a fine instrument and superb technique, but with rare dramatic instinct for a chosen gesture or pose to compliment a vocal colour or nuance – all complimented by an air of modesty which bows graciously to her art. Her rendition of Schubert’s Der Zwerg, which ended the complex and testing programme of over twenty Lieder, alone places her high in the ranks of great recitalists, past and present.
Naturally, the programme was a product of partnership – in this case with pianist Eduard Kutrowatz, artistically attune with the singer’s many facets and in sublime harmony throughout the programme.
Initial attempts at standing ovations were thwarted by three encores which included a monumental Ach, ich habe sie verloren (Gluck’s Orfeo ed Euridice).
“To reveal art and conceal the artist is art’s aim.” (Oscar Wilde)
Moore Parker, theoperacritic.com, 11.8.2015

Ein Musikdrama für Stimme und Klavier (übersetzt aus dem Englischen)
Liederabend Elisabeth Kulman, Salzburger Festspiele, 7. August 2015
Nur ein mit theatraler Gewandtheit so begabter Künstler konnte ein Programm von solch unkonventionellem Aufbau in Schwung bringen und zum Leben erwecken.
Die Abfolge der Werke scheint auf den ersten Blick fast willkürlich, wenn Auszüge aus Liederzyklen wie Schumanns “Frauenliebe und -leben” zwischen Stücken von Liszt und Schubert aneinandergereiht werden, dazu Schumanns Klaviersolo “Glückes genug” zwischen “Ich kann’s nicht fassen, nicht glauben” und “Süßer Freund, du blickest” und “An meinem Herzen, an meiner Brust”, davor ein Block mit Liszt (darunter “Die drei Zigeuner”, “Go not, happy day”, “Es war ein König in Thule” sowie “Vergiftet sind meine Lieder”) und drei von Wagners Wesendonck-Liedern.
Im weiteren Verlauf offenbart sich dieses Programm als ein klug verwobenes Musikdrama für Stimme und Klavier.
Der gemeinsame Nenner ist die Liebe in ihren facettenreichen Spielarten und Auswirkungen – zum Teil auf biographische Aspekte der ausgewählten Komponisten bezogen und zu einer brillanten One-Woman-Dramaturgie zusammengestellt, in der nicht einfach Text und Stimmung, sondern Tempi und Tonarten verflochten oder absichtlich getrennt sind (leider mehrere Male unterbrochen von – verständlicherweise – spontanem Applaus).
Elisabeth Kulman ist eine Sängerin, die nicht nur mit einem feinen Instrument und erstklassiger Technik gesegnet ist, sondern auch mit einem seltenen dramatischen Instinkt für ausgewählte Gestik und Pose, um eine stimmliche Farbe oder Nuance zu würdigen – immer begleitet von einer Aura der Bescheidenheit, die sich anmutig vor ihrer Kunst verneigt. Allein ihre Interpretation von Schuberts “Der Zwerg”, die das komplexe und herausfordernde Programm von zwanzig Liedern beendete, reiht sie hoch in den Rang großer Liedsänger ein, von einst und von heute.
Natürlich war das Programm ein Ergebnis einer Partnerschaft – in diesem Fall mit Pianist Eduard Kutrowatz, der mit den vielen Facetten der Sängerin künstlerisch abgestimmt war und in großartiger Harmonie während des gesamten Programms wirkte.
Anfängliche Versuche für Standing Ovations wurden durch drei Zugaben verhindert, ein monumentales “Ach, ich habe sie verloren” (Gluck’s Orpheus und Eurydike) eingeschlossen.
“Die Kunst zu offenbaren und den Künstler zu verhüllen, das ist das Ziel der Kunst.” (Oscar Wilde)
Moore Parker, theoperacritic.com, 11.8.2015

Im holden Garten der Lieder
Die Mezzosopranistin präsentierte mit Pianist Eduard Kutrowatz Literatur von Liszt, Schubert, Schumann u. a.Im April verblüffte Elisabeth Kulman Fans und Intendanten mit der Erklärung, nicht mehr für Opernproduktionen zur Verfügung zu stehen. Keine Probenhöllen, keine ewig gleichen Carmens, Frickas und Orlofskys mehr. Nur Monate später steht die 42-Jährige schon als Interpretin eines Liederabends auf der Bühne des Hauses für Mozart. Der Grund ist allerdings ein trauriger: Die Mezzosopranistin springt für Elina Garanca ein, die ihrer schwerkranken Mutter beisteht.
Im Mittelpunkt des Programms steht Franz Liszt – eine erklärliche Wahl: Sowohl Kulman als auch ihr pianistischer Partner, Eduard Kutrowatz, erblickten in der Nähe von Liszts Geburtsort Raiding das Licht der Welt. Mit sieben Liszt-Liedern in vier Sprachen und mindestens ebenso vielen emotionalen Verfasstheiten wird eröffnet, bezaubernd das federleichte Go Not, Happy Day nach einem Gedicht von Tennyson.
Im Ziergarten des Liedgesangs
Kulman singt vom ersten Ton an mit einem vollkommen runden, weich-glänzenden Timbre – auch im zartesten Pianissimo. Äußerst delikat und behutsam agiert Kutrowatz auch bei drei der Wesendonck-Lieder des großen Überwältigers Richard Wagner: Im Treibhaus, Schmerzen und Träume. Zurückhaltung ist die interpretatorische Maxime, eine fast mädchenhafte Ebenmäßigkeit scheint Kulman als Klangideal vorzuschweben. Schön, aber auch schade: Wieso sich im Ziergarten des Liedgesangs noch zusätzlich beschneiden? Gut, dass Kulmans natürlich-lebendige Art des erzählenden Singens einer drohenden biedermeierhaften Stickbild-Abendstimmung entgegenwirkt.
Nach der Pause wird Liszt mit Schubert und Schumann kombiniert, thematisch verdüstert sich das Ganze in Richtung Nacht und Tod. Gern hätten die beiden Musiker die Konzertteile als dramaturgische Einheiten präsentiert – es bleibt ihnen aufgrund der Zugabenwünsche verwehrt.
Stefan Ender, Der Standard, 9.8.2015

Liebesfreud und Liebesleid
Elisabeth Kulman und ihr Klavierbegleiter Eduard Kutrowatz servierten im Haus für Mozart, an Stelle der verhinderten Elína Garanca, einen vielschichtigen Festspielliederabend von großer Ernsthaftigkeit und Gestaltungskraft.
Elisabeth Kulman ist eine Liedersängerin par excellence, das stellte sie am Freitag (7.8.) facettenreich unter Beweis. Die Zuhörer folgten konzentriert ihrem Vortrag und feierten sie am Ende mit begeisterter Zustimmung. Kulman ist unkonventionell in jeder Hinsicht. Das zeigte schon die äußere Form. Sie stand nicht vor dem Flügel, sondern im Zentrum der Bühne, während Pianist und Klavier zu ihrer Linken, also vom Zuschauerraum aus rechts, postiert waren. Die Liedauswahl war sehr textbezogen abgestimmt und Sängerin und Pianist ließen die Lieder fast nahtlos ohne Zäsuren ineinander übergehen, was einen Bogen von großer Dichte spannte.
Es ging vor allem um die Liebe in ihren vielfältigen Facetten, vom Hochgefühl sehnsüchtigen und zärtlichen Liebesempfindens in einem großen Decrescendo hin zu Schmerzen, Eifersucht und Tod.
Sieben ausgewählte Lieder von Franz Liszt formten die erste Programmgruppe, darunter ein englisches, ein französisches Lied und Liszts einzige Liedvertonung in russischer Sprache. Ungarisches Kolorit blitzte auf zum Auftakt in der Lenau-Vertonung „Die drei Zigeuner“, die das Leben verschlafen, verrauchen, vergeigen und dreimal verachten. Elisabeth Kulman ließ sie mit blühendem Stimmeinsatz zum Minidrama werden. Da war auch quasi die Schauspielerin Kulman mit von der Partie – wie sie überhaupt so manchem Lied mit dezenten Gesten, fein dosiert, szenische Anschaulichkeit verabreichte.
Der Ballade vom König von Thule und der Heine-Bitternis „Vergiftet sind meine Lieder“ näherte sich Kulman mit dramatischer Attacke. Liszts Klaviersatz ist für Pianisten Herausforderung ebenso wie Chance zum bravourösen Brillieren. Eduard Kutrowatz als Liszt-Kenner nützte die Chance, seinem Spiel Profil zu verleihen und gleichzeitig die Sängerin auf ausgeprägtem Klangteppich zu betten. Die Korrespondenz zwischen Pianist und Sängerin wirkte gut abgestimmt in partnerschaftlichem Miteinander. Aus Richard Wagners Wesendonck-Liedern folgten „Im Treibhaus“, „Schmerzen“ und „Träume“, erstes und letzteres mit Tristan-Vorgeschmack. Die originale Klavierfassung erlaubte einen innigeren Stimmeinsatz als die Orchesterversion. Kulmans subtiler Gefühlsausdruck und ihre tonmalerische Klangpalette machten „Sag, welch wunderbare Träume“ zu einem Höhepunkt.
In eine Auswahl aus Schumanns „Frauenliebe und -leben“ integrierte sie die Liszt-Gesänge „Es muss ein Wunderbares sein“ und „Ich liebe Dich“ sowie Franz Schuberts „Wiegenlied“ . Damit nahm sozusagen ihr eigener Zyklus individuelle Gestalt an. Die Nachtseite der Liebe repräsentierte die abschließende Schubert-Gruppe mit „Nachtstück“,, „Der Tod und das Mädchen“, „Der Geistertanz“ und „Der Zwerg“. Geradezu makaber ist die Ballade vom eifersüchtigen Zwerg, der der geliebten Königin den Tod gibt und sie tief ins Meer senkt, ihm jedoch „nach ihr das Herz brennt so voll Verlangen“. „Was passt als Zugabe auf den Zwerg?“, fragte Kulman ins Auditorium. Nun, sie antwortete mit der deutsch gesungenen Klage des Orpheus „Ach ich habe sie verloren“ und sie verabschiedete sich schließlich mit Schuberts „Nacht und Träume“, zaubrisch filigran gesungen.
Kulman fand mit ihrem warmen Mezzo eine Vielfalt an Schattierungen, dynamischen Abstufungen und Zwischentönen vom hauchzarten Pianissimo, das manchmal fast an die Grenze des Tonlosen ging, bis zum üppigen Vollklang der Stimme in opernhafter Dramatik. Als Liedersängerin ist Kulman ein Juwel. Freilich wird man die Opern-Darstellerin auf der Opernbühne in ihren repräsentativen Rollen nach ihrem Entschluss, für die Bühne nicht mehr zur Verfügung zu stehen, vermissen.
Elisabeth Aumiller, DrehPunktKultur, 8.8.2015

Kulman in Salzburg: Die wahre Lied-Kunst
Elisabeth Kulman und Eduard Kutrowatz gestalteten im sogenannten “Haus für Mozart” einen hinreißenden Liederabend, der einer Ehrenrettung Franz Liszts gleichkam.
Die beiden Künstler setzen sich seit Jahren für die Musik des völlig falsch bewerteten Romantikers ein – und konnten dies nun, einspringenderweise an Stelle von Elina Garanca – sozusagen auf höchster Ebene tun. Zwar wollte das Salzburger Publikum die ganz offensichtliche Dramaturgie von zwei pausenlos ablaufenden Sinn-Einheiten nicht mittragen und applaudierte begeistert mitten in die inhaltlich klug verschränkten Lied-Gedankenblöcke. Aber die Kunst der Kulman, endlose, fast unhörbare, doch stets konsistente Pianissimo-Phrasen zu modellieren, fordert die anerkennende Begeisterung ja tatsächlich heraus: Dass nach Schuberts “Wiegenlied” und der darauf folgenden spontanen Unterbrechung der Faden sogleich wieder aufgenommen war, sprach andererseits wieder für die Konzentrationsfähigkeit der Zuhörer; von jener der Künstler ganz zu schweigen.
Liszt-Lieder in verschiedenen Sprachen standen im ersten Teil des Abends dreien von Wagners Wesendonck-Liedern gegenüber, “Tristan”-Studien, die – das war die musikhistorische Komponente des Programms – quasi nahtlos aus Liszts kühnen harmonischen Funden herauszuwachsen scheinen.
Nach der Pause dann Ausschnitte aus Schumanns “Frauenliebe- und Leben”, verschränkt mit einem Stück aus den Kinderszenen und wiederum Liszt sowie – zuletzt – Schubert. Romantik in dreierlei Gestalt, Liebessehnsucht, Todes-Beschwörungen gespenstischer (“Geistertanz”), dramatisch-abgründiger (“Der Zwerg”) und metaphysischer Art (“Der Tod und das Mädchen”). Die Wandlungsfähigkeit der Kulman ist faszinierend: Rede und Gegenrede setzt sie farbenreich voneinander ab, Gefühlsausbrüche bringt sie – introviertiert wie extrovertiert – anrührend zum Klingen; und doch hat ihre Lied-Kunst bei aller Differenzierungskunst nichts Artifizielles, sondern wirkt natürlich und schlicht wie übrigens auch das Klavierspiel von Eduard Kutrowatz, der schon in den einleitenden Zymbalklängen der “Drei Zigeuner” den Rahmen improvisatorischen Rubato-Spiels abzustecken wusste und hernach einfühlsam jede sanfte rhythmische Rückung der Singstimme mittrug.
Wie verabschiedet man sich nach einem dermaßen sinnreich gerundeten Programm? Elisabeth Kulman erinnerte an ihr Salzburger Festspieldebüt und sang Glucks Orpheus-Arie, die, richtig verstanden wie diesmal, die schmerzhafteste Dur-Kantilene der Musikgeschichte enthält. Danach gab es zwei doch wieder ironisierende Liszt-Vignetten und Schuberts “Nacht und Träume” zum Beschluss: “Heilige Nacht” …
Wilhelm Sinkovicz, Die Presse (Sinkothek-Live), 7.8.2015, 21:54 Uhr (Nachtkritik)


Elisabeth Kulman und Eduard Kutrowatz in Kremsmünster 2015

Betörendes Duo

Oö Stiftskonzerte 2015

Elisabeth Kulman gelang eine kleine Sensation bei den Oö. Stiftskonzerten.
Faszinierender Reigen der Lieder
Diesmal ist Elisabeth Kulman bei den Stiftskonzerten selbst eingesprungen und hat ihren im vergangenen Jahr abgesagten Liederabend mit Eduard Kutrowatz am Samstag im Kaisersaal des Stifts Kremsmünster quasi nachgeholt. Nicht ganz – das Programm war ein komplett anderes und in seiner dramaturgischen Gestaltung eine kleine Sensation. Weniger die mehr oder weniger bekannten Lieder, aber die Art und Weise wie intelligent und stimmig diese aneinandergereiht wurden, und wie sich die Musik Franz Schuberts, Robert Schumanns und Franz Liszts perfekt ergänzte.
So wurden die Nummern 1, 3, 6, 7 und 8 aus Schumanns “Frauenliebe und -leben”, jenem Zyklus der 2014 komplett auf dem Programm gestanden hätte, mit Liszts “Es muss ein Wunderbares sein” und “Ich liebe dich” sowie mit Schuberts “Wiegenlied”, “Nachtstück”, “Tod und das Mädchen”, “Meeres Stille”, “Geistertanz” und “Der Zwerg” zu einem faszinierenden Liederreigen um Leben, Liebe, Leidenschaft und Tod verbunden, der seine bezwingende Stringenz auch daraus erfahren hat, dass die Lieder ohne Unterbrechung und störenden Applaus aufeinanderfolgten. Vierzig Minuten Liedgesang pur und das auf höchstem Niveau, was die stimmliche Perfektion, die unbeirrbare Textdeutlichkeit und die restlos überzeugende Interpretationskunst anbelangt. Nicht minder beeindruckend Eduard Kutrowatz am Klavier, der nicht bloß begleitete, sondern die bisweilen dramatische Charakteristik der Lieder durch sein Spiel erst wirklich greifbar werden ließ.
Der Zweite Teil lief ähnlich ab und brachte eine Begegnung mit Liedern in sechs Sprachen von Franz Liszt, die nicht unbedingt zum Kernrepertoire gehören, deswegen aber nicht minder großartige Momente zur bedingungslosen Gestaltung bieten. Auch hier perfekte Liedkunst pur. Zu Recht ein Riesenapplaus, für den sich die beiden Künstler mit “Schmerzen” und “Träume” aus Richard Wagners “Wesendonck-Liedern” bedankten.
OÖN Bewertung: *****
Michael Wruss, Oberösterreichische Nachrichten, 29.6.2015

Höchstklassiger und enthusiastisch bejubelter Liederabend anlässlich des Stiftkonzertes am Freitag im restlos ausverkauften Kaisersaal zu Kremsmünster. Am Podium erfreuten die österreichische, an der Wiener Staatsoper, in Paris, Amsterdam, Moskau und Tokio gleichermaßen heiß begehrte Mezzosopranistin Elisabeth Kulman und ihr unvergleichlicher Pianist Eduard Kutrowatz. Die Künstlerin verfügt über einen geradezu charismatisch ausgestatteten Stimmklang, der von der zarten Poesie ihres Kopfregisters bis in die aggressiv schneidenden Klangfarben des Brustregisters reicht – deutlich zu beobachten im Schubertlied “Der Zwerg”. Das Programm brachte neben Schubert auch viele Schumann-Stücke sowie selten zu hörende Liszt-Lieder, die in sechs Sprachen dargeboten wurden. Liszts Werke waren für den Meisterpianisten Kutrowatz natürlich eine willkommen delikate Interpretationsaufgabe.
Balduin Sulzer, Krone, 28.6.2015

… Es gelang ihr mit dem farbintensiven und wandlungsfähigen Timbre jene Stimmung in den Raum zu zaubern, dass man in Kürze weder Programmblättern noch Husten hörte. Beim störenden Handyläuten musste zwar unterbrochen werden, aber es tat der guten Sängerlaune keinen Abbruch, im Gegenteil: Kulman trabte mit Händen und Füßen den lauten Handygalopp auf der Bühne mit. Dann aber ging es wieder in die Seelentiefen von “Meeres Stille”, “Nachtstück” oder “Der Tod und das Mädchen”. Am Klavier Eduard Kutrowatz, der alle Tugenden eines begleitenden Pianisten sein eigen nennt und dabei die wunderbaren Spannungsmomente in der Liedfolge auskosten kann. Ein Glücksfall. Nach der Pause folgten Liszt-Lieder in sechs Sprachen – Mezzosopranistin Elisabeth Kulman hat mit ihren Sprachkenntnissen sicheren Zugang auch auf neues Liedgut. Als Zugabe – das Publikum tobte vor Begeisterung – folgte ein Richard Wagner.
grub, Neues Volksblatt, 29.6.2015


Schubertiade 2015

Poesievoller Blick nach innen
Elisabeth Kulman bot bei der Schubertiade eine erlesene Liedauswahl und zog die Zuhörenden in ihren Bann
Nachdem die Mezzosopranistin Elisabeth Kulman im vergangenen Jahr bei der Schubertiade Schwarzenberg debütiert hatte, warteten viele auf einen Soloabend der vielschichtigen Sängerin. Das Warten hat sich gelohnt. Im Angelika Kauffmann-Saal führte die Sängerin die Zuhörenden in das romantische Empfinden rund um den Tod, die Todessehnsucht und den Schmerz des Abschieds ein. Natur- sowie Wiegenlieder bildeten einen weiteren Anker. Eine große innere Ruhe ausstrahlend und mit einer tiefsinnig timbrierten Stimme belebte Elisabeth Kulman die Lieder. Sowohl bekannten als auch vergessenen Werken verlieh sie einen gebührenden Stellenwert innerhalb des abgerundeten Ganzen.
Die Art wie Elisabeth Kulman die Schubertlieder deutete, war individuell, höchst spannend und genau meinem Stilgefühl entsprechend. Sie führte ihre Stimme mit einem natürlichen Duktus und setzte ein Vibrato nur dann ein, wenn es dem Text oder der Melodielinie diente. Wunderbar klar und textdeutlich formte sie die Vokale und nuancierte die Klangfarben sowohl in der strahlenden Höhe als auch in der sonoren Tiefe. Ihren großen Gestaltungsspielraum schöpfte Kulman durchdacht und mit viel Emotion aus. Selbst im Pianissimo variierte sie ihre Stimme und unterstrich damit den Aussagegehalt. Die Bühnenpräsenz der ernst wirkenden Sängerin und die eindringlichen Liedinhalte verdichteten die Atmosphäre im Saal.
Vom Tod Helmuth Lohners haben wohl viele Besucherinnen und Besucher erst im Konzertsaal erfahren. Ihm widmete Elisabeth Kulman die Lieddeutung „Willkommen und Abschied“ (D767) [Anmerkung: Das gewidmete Lied war "Nachtstück"]. Schön peilte sie den Höhepunkt an und führte den musikalischen Fluss zur Apotheose.
Hohe Kunst
Über jedes einzelne Lied und die Werkdeutungen ließe sich viel sagen. An dieser Stelle müssen einige Anmerkungen genügen. Die Miniatur „Am Grabe Anselmos“ (D504) deutete Elisabeth Kulman durch die schlichte Textbetonung intensiv. In einem Pianissimo und einer Tongebung, die schlüssiger nicht sein könnten, erklang das „Wiegenlied“ (D498). Das berühmte Lied „Nacht und Träume“ (D827) entfaltete Elisabeth Kulman poesievoll und glaubhaft. In den beiden Balladen „Der Tod und das Mädchen“ (D531) und „Der Zwerg“ (D771) verdichtete sich das dramatische Geschehen durch die stimmliche Rollenaufteilung. Überdies war „Meeres Stille“ (D216) eine wirkungsvolle Einleitung in die Stimmung des verzweifelten Zwergs.
Beobachtungen
In das Konzertprogramm waren unbekannte und frühe Schubertlieder eingebettet. Auch diese Lieder boten Anreize zum Weiterdenken, und es gab Entwicklungslinien in Schuberts kompositorischer Arbeit zu entdecken. Eigenartig „unrund“ wirkte beispielsweise die Rhythmik im Verhältnis zum Text und zur melodischen Linienführung in „Florio“ (D825/2). Der Einsatz ungewöhnlicher Tonsprünge im Lied „Die Nacht“ (D358) lenkten die Aufmerksamkeit auf sich. Auffallend wirkten überdies die illustrativen Bilder, die in „Der Jüngling auf dem Hügel” (D702) oder im „Geistertanz“ (D116) im Klavierpart zu hören waren.
Silvia Thurner, kulturzeitschrift.at, 24.6.2015

Pianokultur
Elisabeth Kulman punktete mit Zurückhaltung und erzielte eine grandiose Wirkung.
Am Nachmittag gibt Elisabeth Kulman (41) ihr schon lange erhofftes Solodebüt bei diesem Festival, das im Vorjahr an einer Absage scheiterte. Die grandios aufmüpfige burgenländische Mezzosopranistin auf dem Weg zur Weltkarriere zog sich von szenischen Opernaufführungen zurück.
Was man am Freitag in der TV-Eröffnungsgala aus Grafenegg gesehen hat, war nur eine Seite dieser Elisabeth Kulman: temperamentvoll, bühnenpräsent als Carmen oder Dalila. Ihr eigentliches Wohlfühl-Zuhause offenbart sie bei ihrem Schubert-Liederabend, dem sie mit ihrer vornehmen Zurückhaltung in Mimik und Bewegung ein ganz besonderes, intimes Flair aufdrückt. Eine attraktive Sängerpersönlichkeit erzielt hier grandiose Wirkung beim Publikum, gerade weil sie äußerlich nichts tut. Dafür begeistern umso mehr ihre dunklen stimmlichen Farben, die sie imposant ausspielt („Der Tod und das Mädchen“). Der größte Trumpf aber ist ihre Pianokultur, mit der sie das „Wiegenlied“ oder „Nacht und Träume“ so berührend gestaltet, dass man hätte weinen mögen. Das verhaltene „Nachtstück“ widmet Kulman ihrem eben verstorbenen Freund Helmut Lohner, bei den Zugaben zeigt sie Zigeunerisches.
Fritz Jurmann, Vorarlberger Nachrichten, 25.6.2015

Wie Diana Damrau ist auch Elisabeth Kulman eine großartige Operngestalterin, doch weiß sie sich im Liedgesang wunderbar zurückzunehmen und feinsinnig zu gestalten. Ein Erlebnis sind die schlichten, im äußersten Pianissimo gesungenen Lieder wie das „Wiegenlied“ oder „Nacht und Träume“. Vor wenigen Wochen hat Elisabeth Kulman bekannt gegeben, dass sie Oper in Zukunft nur noch konzertant geben wird – wie viel sie selbst an Mimik und Körpersprache anzubieten hat, merkte man nicht nur in der brillanten Liszt-Zu-gabe „Die drei Zigeuner“.
Katharina von Glasenapp, schwaebische.de, 26.6.2015

Das samtige Edeltimbre ihrer Stimme nimmt sofort gefangen, noch mehr aber das zwischen Emphase und zarter Intimität pendelnde Ausdrucksspektrum. Wundervoll die im “Wiegenlied” geübte Zurückhaltung, die sanfte Durchleuchtung des “Nachtstücks” oder der begeisterte Jubel in “Willkommen und Abschied”.
Mareile Hanns, DNN, 1.7.2015

A voz da mezzo-soprano austríaca Elisabeth Kulman está hoje num ponto alto, com sua vasta experiência em ópera e recitais, mas dá a impressão de ainda poder ir mais além. Atualmente ela se concentra em recitais e em projetos incomuns. Sua voz forte, cálida e maleável, e sua consciência de estilo produziram um recital bem pessoal e de várias surpresas. Com muita experiência no repertório clássico e no jazz, Eduard Kutrowatz provou também ser um ótimo pianista schubertiano, sutil e flexível. Do rico programa constaram também “A morte e a donzela” (poema de Matthias Claudius) e “O anão” (poema de Collin).
Die Stimme der österreichischen Mezzosopranistin Elisabeth Kulman ist jetzt auf einem Höhepunkt, mit ihrer langjährigen Erfahrung in der Oper und mit Liedern, sie scheint aber noch weiter gehen zu können. Sie konzentriert sich derzeit auf Liederabende und außergewöhnliche Projekte. Ihre starke, warme und flexible Stimme sowie ihr Stilbewusstsein bringen einen sehr persönlichen Liederabend und einige Überraschungen hervor. Mit viel Erfahrung im klassischen Repertoire und im Jazz erwies sich Eduard Kutrowatz auch als ausgezeichneter Schubert-Pianist, subtil und flexibel. Das reichhaltige Programm enthielt auch “Der Tod und das Mädchen” (Gedicht von Matthias Claudius) und “Der Zwerg” (Gedicht von Collin).
José Neistein, movimento.com, 14.9.2015


Quartett-Liederabend – Schubertiade Schwarzenberg 2014

Die Stimmen mischen sich ideal, finden sich in Quartetten wie „Gott im Ungewitter“ oder „Gebet“ zu schöner klanglicher Einheit. … Neu beim Festival ist die österreichische Mezzosopranistin Elisabeth Kulman, eine großartige Künstlerpersönlichkeit, die mit ihrem bedrohlich dunkel getönten „Erlkönig“ spontanen Beifall auslöst und große Erwartungen auf ihren ersten Solo-Liederabend heuer am 25. August weckt.
Fritz Jurmann, Vorarlberger Nachrichten, 30.6.2014


Liederabend Liszt, Schumann, Fries, Schubert 2012/2013

Frauenliebe? Nein um Gottes Willen!
Wenn Elisabeth Kulman einen Liederabend gibt, bleiben keine Fragen offen. Die per Selbstdefinition «moderne Powerfrau» interpretiert an Eduard Kutrowatz’ Seite Robert Schumanns antiquierte «Frauenliebe und –leben» am 13. Dezember 2012 im Mozart-Saal als wäre es anno 1840. Und kann sich doch ihrer modernen Linie treu bleiben. Auch eine Uraufführung wurde dargeboten.
Altes Lied – moderne Frau und moderner Mann. Das ist die knappe Zusammenfassung eines prächtigen Liederabends mit dem burgenländischen Doppel Kulman-Kutrowatz. Elisabeth Kulman, momentan Österreichs größter Exportschlager im Mezzo- und Altfach, plaudert während des Abends ein bisschen aus dem Nähkästchen. Bei einer hausmusikalischen Generalprobe habe sie die Lieder dem Publikum erklärt, erzählt sie. Die Leute fanden das ganz hinreißend, weshalb sie sich unkonventionell gibt und das auch gleich im Konzertsaal so macht.
Das Wiener Konzerthaus sei an sie herangetreten und habe um Schumanns berühmte «Frauenliebe und –leben» gebeten. «Nein, um Gottes Willen, nein. Wie soll eine moderne, selbstbewusste Powerfrau aus dem 21. Jahrhundert, wie ich sie anscheinend darstelle, solche Lieder singen?», fragte sich die Mezzosopranistin. Doch dann hat sie sich näher mit dem Liedgut beschäftigt und ist – um es in Jugendsprache zu sagen – völlig hineingekippt. Nach reiflicher Überlegung kam Kulman zu dem Schluss, dass es nicht die schwachen, zierlichen Mädchen aus den romantischen Erzählungen des 19. Jahrhunderts sind, die zu Vulkanen der Emotionen werden. Nein, vielmehr sind starke Frauen zu den stärksten Gefühlen fähig, die da von der hingebungsvollen Liebe bis zu Mordgelüsten reichen. Da bleibt es überflüssig zu erwähnen, wie stark, respektive gefühlsfähig Kulman zumindest im Liedgesang ist.
«Und das lange Nachspiel. Das wirkt da so schön in dem Saal», erhasche ich die Aussage eines anderen Konzertgastes während der Pause. Ja, damit hat er schon recht. Großartiger Gesang, tolle Liedbegleitung, man könnte schwelgen und schwelgen. Komisch, Wien, die Hauptstadt des Gesuders und der Nörgelei zeigt die besten Konzerte, die keinerlei Gründe zum Aufregen bieten. Vielleicht eine unterschwellige Aktion des Veranstalters, diesem Gesudere Einhalt zu gebieten?
Im zweiten Teil kamen neben Franz Schubert und Ferenc Liszt die Lieder des österreichischen Komponisten Albin Fries zur Aufführung. Kulman packt die Dramatik aus, lässt ihre satte, warm und dunkel timbrierte Stimme glänzen. Fries selbst beehrt das Publikum durch seine Anwesenheit, was für großen Beifall sorgt.
Am erfreulichsten an dem Abend jedoch ist der Humor der beiden Akteure. Die romantischen Lieder werden entkitscht und von einer fantasievollen Seite beleuchtet. Da wird selbstverständlich ein kleines Da Capo des Vorspiels von den «Drei Zigeunern» gebracht, weil jemand im Publikum nicht und nicht sein klingelndes Mobiltelefon abstellen wollte. Wo andere genervt den Saal verlassen oder gleich den Schuldigen (in unserem Fall ein korrekt verwendetes Maskulinum) des Saales verweisen, meint Kulman nur: «Wie wär’s mit abheben?»
Zum Abschluss kommt außerplanmäßig Richard Wagner, davor zwei Stücke aus dem Programm «Kinderstube», einer Liedereinspielung von Modest Mussorgski, dessen Reinerlös der St. Anna Kinderkrebsforschung zugute kommt.
Günter Stummvoll, Blog “JUNGE BLOGGER” auf konzerthaus.at, 19. Dezember 2012

Mozartsaal – Wunder von Liebe und Lied
Es muss ein Wunderbares sein – kein Telefon zu haben. Davon konnte sich das Wiener Publikum im bestens besuchten Mozartsaal überzeugen. Denn süß ist die Rache der Sängerin. Gelassen ließ sie mit Klavierbegleiter Eduard Kutrowatz die Introduktion zu Liszts “Drei Zigeunern” stocken und kommentierte den Störenfried: “Naaa, wollen wir nicht abheben?”
Offenbar nicht, zum Telefonieren war die folgende Interpretation viel zu spannend. Kulman ging in den Literaturperlen auf, sie spielte mit den Emotionen ihrer Konzerthaus-Gäste. Schaurig schön gelang Schuberts “Zwerg”, in Liszts “Vergifteten Liedern” ließ sie die Furie raus, die “Zigeuner” wurden ein wahres Dramolett. Robert Schumanns “Frauenliebe” op. 42 wurde ohne Pathos zum nachvollziehbaren Monolog. Bonus: drei uraufgeführte Lieder aus der Feder von Albin Fries wurden dankbarst aufgenommen. Auf Gedichte von Ferdinand von Saar, Gisela von Berger und Hugo von Hofmannsthal schuf der oberösterreichische Komponist ab 2008 diese freiromantischen, melodiösen Werke. Auch der Pianist Kutrowatz ging bei so viel gelebtem Einfallsreichtum im virtuosen Element auf. Kulman genoss.
***** – 5 Sterne
Daniel Wagner, WIENER ZEITUNG, 15.12.2012

Konzerthaus: Elisabeth Kulman begeistert ihr treues Publikum
Der Glanz einer edlen Stimme
Die österreichische Sängerin Elisabeth Kulman gilt für viele als “Publikumsliebling Nummer eins”. Seit 2005 vertritt sie das große Mezzosopran- und Altfach auf den großen Konzert- und Opernbühnen der Welt. Als eine der führenden Sängerinnen ihrer Generation beeindruckte sie nun im Konzerthaus mit Eduard Kutrowatz.
Bei Elisabeth Kulman versteht man nicht nur jedes Wort, man erfährt auch ihren inneren Sinn und wird in den Bann einer stets bescheiden wirkenden, integren Künstlerin gezogen. Still ist ihre Kunst, nie extrovertiert, aber wie sie phrasiert, wie sie nuanciert, wie flexibel ihre Farben sind! Da weiß sie zu imponieren!
Sie balanciert Töne und Phrasen schwerelos aus. Und dazu hat sie einen idealtypischen “Begleiter”: Eduard Kutrowatz ist zwar immer ganz mit ihr zusammen, aber er ist trotzdem ein Künstler mit eigener, eher extrovertierter Persönlichkeit. Oft ertappt man sich dabei, die Sängerin für Momente zu vergessen und seinem eindrucksvoll erzählenden Klavierspiel zu folgen.
Ob bei Franz Liszt, Robert Schuhmann (eine exzellente Darbietung der “Frauenliebe und -leben”, op. 42), Albin Fries oder Franz Schubert erzeugen die imponierenden Künstler tiefe Berührtheit, und zwar ohne mit billigen Mitteln und Effekten zu brillieren.
Ein Genuss vom Feinsten!
[Bildunterschrift: Psychologische Brüchigkeit bei Schumann, Liszt, Fries und Schubert]
Florian Krenstetter, KRONENZEITUNG, 16. Dezember 2012


Jerusalem International Chamber Music Festival 2012

… Musik löst keine Probleme.
Sie vollbringt aber Wunder, wie die sensationelle Einspringerin Elisabeth Kulman mit Mussorgskis Zyklus Kinderstube zeigt. Um 1870 komponiert, kommen die Lieder aus einer versunkenen Welt, dem Zarenreich, es geht um einen kleinen Mischa, der eine Amme hat. Der Komponist hat die Texte selbst geschrieben und vertont, artifiziell kindhaft, nicht kitschig. Kulman stürzt sich hinein in das Kindsein, mit Flunsch und Spott, durchtrieben, verzweifelt, neugierig, ängstlich, Miene und Körper und Stimme sind eins – und doch ist da haarfein auch das Bewusstsein der historischen Distanz, die hier überbrückt wird. Die Zeit wird durchsichtig und verschwindet.
Kulman spricht perfektes Russisch, den letzten Schliff hat ihr der Pianist Kirill Gerstein verpasst, und wie das im Saal ankommt, ist eine Wucht. Denn viele hier haben russische Wurzeln, es ist, als bekämen die nun wieder Wasser, die Leute lachen Tränen, und das sicher nicht nur, weil die junge Mezzosopranistin ein singuläres Talent zur Komik hat. Da sie auch die melancholisch innige Erotik erfasst, die in Claude Debussys Gesängen der Bilitis liegt, bis hin zur Metaphysik der Liebe, wird klar: Hier hat sich ein zwar nicht mehr unbekanntes, aber noch gänzlich unverbrauchtes Talent auf eine Weise entfaltet, die vor verwöhnt abwartenden Hörern unmöglich wäre. …
Volker Hagedorn, DIE ZEIT, 13.9.2012

Weiters: Bericht in der F.A.Z., 13.9.2012


Richard Wagner: Wesendonck-Lieder – Graz, styriarte 2012

Ein Feuerwerk an Imagination beim “Göttlichen”
Wagners fünf Lieder (1858) nach Texten Wesendoncks mit Elisabeth Kulman (Mezzosopran) und Bernd Glemser (Klavier) waren der zentrale Höhepunkt des Abends. Die imaginative Darstellung der 39-jährigen Burgenländerin dürfte schwer zu überbieten sein, Ausdruckskraft ging nie auf Kosten der Balance.
Herbert Schranz, KLEINE ZEITUNG, 5.7.2012

Elisabeth Kulman sang Wagners Wesendonck-Lieder souverän unprätentiös, mit gezielt eingesetzten Steigerungen und dunkel leuchtendem Mezzo.
Martin Gasser, KRONENZEITUNG, 6.7.2012


Mahler Recital – Malta 2011

Unforgettable Mahler evening

One could predict this early in the Manoel’s season that mezzo-soprano Elisabeth Kulman’s recent recital of Mahler lieder accompanied by German pianist Hansjörg Albrecht will be among its top highlights. What a pity that the audience was not as numerous as the event merited; yet it was a most appreciative and discerning one who knew the meaning of high-quality music making. His symphonies and lieder are the mainstay of Mahler’s fame. The intimacy provided by the Manoel provided the right ambience for a lieder recital to mark the composer’s death centenary. The problem for those also familiar with the orchestrated versions of the lieder is that one is never so sure whether that influences one’s hearing of the piano version. Still Mr Albrecht’s job was excellently carried out. His was a masterly, sensitive and very understanding accompaniment, complementing the superb voice of Ms Kulman in an exercise of continuous rapport and support. His prowess as soloist shone forth in the arrangements for solo piano in a symphonic sketch based on themes from the Second Symphony in the first half. It continued when he performed the famous Adagietto from the Fifth Symphony which was simply marvellous. Ms Kulman plays about with her voice any way she wants. Her warmth of personality reflects well in her rich tones, which aided by perfect diction is capable of endowing every phrase with all shades and nuance of feeling. She is capable of flowing smoothly from one contrasting mood to another. Her opening choice for the evening consisted of two lieder from Lieder eines fahrenden Gesellen. Ging heut’ Mor gen übers Feld was a happy romp, at first marvelling at the beauty of nature but ending with a sad reflection that the loveless wayfarer is not destined to enjoy such beauty indefinitely. In Die zwei blauen Augen von meinem Schatz the voice dwelt further upon the bitter-sweet reality that the beloved’s blue eyes could not stem the wayfarer’s suffering even when surrounded by such beauty. The mood became even more morose with the choice of the fifth and last lied from the Kindertotenlieder. Here the voice reflected the anguish at the loss of children, the piano evoked the stormy weather which carried them off but the singer ended on a note of resignation rather than despair. The comparatively shorter second half of the recital ended with the five Rückertlieder in which the singer voices to the full the beauty of Rückert’s poetry. The projection of mood ranged from the almost carefree Ich atmet einen linden Duft to the sophistry of Liebst du um Schönheit and Blicke mir nich in die Lieder. It became even more soul-searching in Ich bin der Welt abhanden gekommen with resignation… “Ich bin gestorben dem Welt gewimmel…,Ich leb’ allein in meinem Himmel/I am lost to the world’s tumult…I live alone in my heaven…” This group closed with Um Mitternacht, a magic exercise in profound feeling sublimely expressed. What a pity that owing to an unfortunate oversight, the German and English texts of these lieder were not provided.

Albert G. Storace, November 9, 2011 – TimesOfMalta.com

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  • Do
    14
    Dez
    2017

    Ludwig van Beethoven: Missa solemnis

    20:00Berlin - Philharmonie

    Luba Orgonášová, Sopran
    Elisabeth Kulman, Mezzosopran
    Daniel Behle, Tenor
    Franz-Josef Selig, Bass
    Rundfunkchor Berlin Chor
    Berliner Philharmoniker
    Christian Thielemann, Dirigent
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Elisabeth Kulman sings Schubert's Erlkönig