Dieser Text zum Thema “Eine lebenswerte Welt” wurde für die Publikation “30 Jahre Umweltbundesamt” von Elisabeth Kulman im August 2015 verfasst und erscheint hier ungekürzt. Herausgeber ist die Umweltbundesamt GmbH im Eigentum der Republik Österreich, vertreten durch das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft – www.umweltbundesamt.at – www.bmlfuw.gv.at.

Der Mensch muss zum mitfühlenden Wesen werden

Wir haben Angst vor dem Klimawandel. Deshalb trennen wir Müll, fahren Fahrrad statt Auto und verwenden energieeffiziente Glühbirnen. Wir sind auch tierlieb. Also erfreuen wir uns an Katzenvideos, tragen Kunstpelz und verurteilen Elfenbeinjäger. Unser Gewissen ist beruhigt: Wir sind verantwortungsvolle Bürger und gehen sorgsam mit Umwelt und Natur um. Mehr kann man nicht tun. Oder? Schauen wir uns einmal den größeren Zusammenhang an.

Die Idealvorstellung: Der Mensch im Einklang mit der Natur
Die Idealvorstellung: Der Mensch im Einklang mit der Natur

Seit ein paar Milliarden Jahren dreht sich unsere Erde um die Sonne und hat dabei so manche Katastrophe überlebt. Alle paar Hundertmillionen Jahre ereignet sich ein dramatisches Szenario, bei dem bis zu 96 Prozent aller Lebewesen und Pflanzenarten ausgelöscht werden. Das letzte Massenaussterben vor 65 Millionen Jahren hat sogar die gigantischen Dinosaurier dahingerafft. Säugetiere gewannen dadurch Lebensraum, so konnte sich der Homo sapiens entwickeln und seinen Weg bis zum modernen Menschen in unsere heutige Zeit machen.

Seit der Existenz der Spezies Mensch hat sich der Planet jedoch gravierend verändert. Ein neuerliches Massenaussterben ist im Gange, diesmal jedoch nicht wie vorher ausgelöst durch äußere Einflüsse wie Vulkane oder Kometen. Auch tritt es viel zu früh auf und schreitet viel zu schnell voran. Was ist die Ursache? Wer trägt die Verantwortung? Die Antwort liegt klar auf der Hand: Die Schuld liegt – erstmals in der gesamten Erdgeschichte – bei einer speziellen Tierart: dem Menschen.

Das Tier als Opfer des Menschen
Das Tier als Opfer des Menschen

Vor 10 000 Jahren teilte sich die gesamte Biomasse auf in: 99 Prozent Tiere und 1 Prozent Menschen. Heute, also nur einen Bruchteil des Planetenlebens später, hat sich die Relation in verheerender Weise umgekehrt: 98 Prozent Menschen mitsamt den Tieren, die sie als Eigentum besitzen und nutzen, und nur 2 Prozent wilde, freilebende Tiere. Der Mensch hat sich wie eine Epidemie in jeden Winkel der Erde ausgebreitet und den Tieren quasi den gesamten Lebensraum geraubt. Allein in den letzten 40 Jahren haben wir aufgrund unserer Lebensweise mehr als die Hälfte der Tierwelt zerstört.

Betrachten wir das Alter der Erde und ihre Entwicklung, wird eines offensichtlich: Die Menschheit ist nur eine kurze Episode im Laufe des milliardenjährigen Planetenlebens. Innerhalb dessen hat die Erde mehrmals bewiesen, das sie unliebsame Gäste jederzeit loswerden kann. Wir Menschen sind also nur zu Gast. Als Gäste müssen wir uns mit Respekt vor der Natur und mit Mitgefühl gegenüber allen anderen Mitbewohnern verhalten. Ansonsten wird die Menschheit nicht überleben.

“Wenn der Planet uns loswerden will, wird er es tun.” (Eckhart Tolle)
“Wenn der Planet uns loswerden will, wird er es tun.” (Eckhart Tolle)

Die Wissenschaftler sind sich einig: Der primäre Grund für den Klimawandel, den Welthunger, den Artenschwund, die Waldzerstörung, die zunehmende Wasserknappheit, die Totwasserzonen und weitere Umweltprobleme, ist das, was niemand hören will. Es ist das, was Umweltschutzorganisationen und Politik zwar wissen, aber verschweigen, weil es dem überflussverwöhnten Erste-Welt-Menschen unbequem wäre und weil – wie immer in solche Fällen – Macht und Geld dahinterstecken. Um unser Umweltproblem zu lösen, müssten wir auf Gewohntes verzichten. Eine Abschaffung würde das Zusammenbrechen von ganzen Industriezweigen bedeuten, dagegen wehren sich mächtige Lobbies, indem sie erfolgreich unseren klaren Verstand vernebeln. Was also ist laut Wissenschaft der Hauptgrund für unsere Umweltprobleme? Es ist zweifelsfrei: die Viehwirtschaft.

1 kg Rindfleisch

  • vernichtet 50 m² Regenwald
  • verbraucht 20.000 Liter Trinkwasser
  • verschlingt 16 kg Getreide und Soja als Futter
  • verursacht mehr CO²-Emissionen als 250 km Autofahren.

Ein sauber abgepacktes Schnitzel im Kühlregal war einmal ein lebendes, fühlendes Wesen, das grausam in Massentierhaltungen ausgebeutet und qualvoll getötet wurde. Es liegt jetzt als Leiche auf unseren Tellern.

“Wenn Schlachthöfe Wände aus Glas hätten, wäre jeder Vegetarier.” (Paul McCartney)
“Wenn Schlachthöfe Wände aus Glas hätten, wäre jeder Vegetarier.” (Paul McCartney)

Seit ich die schockierenden Fakten und grauenvollen Bildbeweise kenne (die man hier nachsehen kann), hat sich in meinem Kopf ein Schalter umgelegt. Ich will nicht Teil dieses mörderischen Schlachtens sein. Kein Mord und kein Missbrauch soll mehr passieren, um meinen Magen zu füllen. Ich will meinen Beitrag zur Rettung und Erhaltung des Planeten leisten, für die heutige Generation und die zukünftigen. Die Konsequenz ist, dass ich vegan lebe. Das heißt für mich (neben den gesundheitlichen Vorteilen), Tiere nicht als untergeordnet, sondern als ebenbürtig zu betrachten und für die einzutreten, die sich nicht wehren können. Wir stehen nicht über ihnen und haben kein Recht, sie auszubeuten und zu töten. Es darf keinen Unterschied geben zwischen dem Haustier zum Streicheln und dem “Nutz”-tier zum Essen. Jedes Lebewesen hat ein umumstößliches Recht auf Leben.

“Solange der Mensch Tiere schlachtet, werden die Menschen auch einander töten. Wer Mord und Schmerz sät, kann nicht erwarten, Liebe und Freude zu ernten.” (Pythagoras)
“Solange der Mensch Tiere schlachtet, werden die Menschen auch einander töten. Wer Mord und Schmerz sät, kann nicht erwarten, Liebe und Freude zu ernten.” (Pythagoras)

Die friedvolle Haltung und Empathie gilt gegenüber allen Lebewesen, also auch den Menschen gegenüber, egal welcher Rasse, Hautfarbe und Religion. Wir alle – die Tiere und Menschentiere – bewohnen gemeinsam einen Planeten, idealerweise im friedlichen Miteinander und im Einklang mit der Natur.

Vegan zu werden, war für mich eine minimale Umstellung im Kopf. Wenn mehr Menschen nicht länger wegschauen, die Zusammenhänge begreifen und die Konsequenzen ziehen, dann ist der heute wichtigste erste Schritt in die richtige Richtung getan: Die Viehwirtschaft muss abgeschafft werden. Und damit das Grauen des Leidens und des Mordens.

Der Mensch muss zum mitfühlenden Wesen werden – auch dem scheinbar Geringeren gegenüber. Er muss erkennen, dass jeder Mensch und jedes Tier gleich viel wert ist wie er selbst. Wenn der Mensch seinen Hochmut verliert und den anderen als sich selbst begreift, dann gibt es eine echte Chance für ein friedvolles Miteinander auf diesem Planeten.

Zur vertiefenden Beschäftigung empfehle ich folgende Filme:

Teaser zum Film “Cowspiracy” (englisch)

Hier geht’s zu den Daten und Fakten (englisch) »

Aus dem Film “Gabel statt Skalpell” (deutsch)

“War uns der Anblick des den Göttern geopferten Stieres ein Greuel geworden, so wird nun in sauberen, von Wasser durchspülten Schlachthäusern ein tägliches Blutbad der Beachtung aller derer entzogen, die beim Mittagsmahl sich die bis zur Unkenntlichkeit hergerichteten Leichenteile ermordeter Haustiere wohlschmecken lassen sollen. Es sollte uns fortan nur daran gelegen sein, der Religion des Mitleidens, den Bekennern des Nützlichkeitsdogmas zum Trotz, einen kräftigen Boden zu neuer Pflege bei uns gewinnen zu lassen. […] Was erwarten wir denn von einer Religion, wenn wir das Mitleid mit den Tieren ausschließen?” (Richard Wagner)


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