Einige Gedanken nach meinen ersten “Corona-Konzerten”

(Dreimal Mahler 2 in Kopenhagen)

Ich sag’s gleich: Es war mir schon immer egal, ob ich vor 5000 oder 20 Menschen singe. Der künstlerische Anspruch bleibt gleich. Selbst wenn ich nur für mich und meine Mitmusizierenden singe – einen Unterschied gibt es nur auf energetischer, nicht auf künstlerischer Ebene. Meine Aufgabe als klassische Sängerin verstehe ich als Medium, als Vermittlerin, als Lebendigmacherin dessen, was der Komponist im Taumel der stürmischen Musenküsse auf sein schmerzlich lebloses Notenblatt geschrieben hat. Singen ist eine heilige Aufgabe. Eine Mahler’sche “Auferstehungs-Sinfonie” etwa ist Meditation, Gebet, Katharsis, Revolution! Ein Kaleidoskop von Gefühlen des Schmerzes, der kindlichen Freude, des Sehnens und Flehens, des Glaubens und der Hoffnung und so viel mehr, das mit Worten eben nicht, aber mit dieser genialen Erfindung Musik ausgedrückt werden kann. Wie viel davon aber kommt bei den Menschen heute an?

Viel wichtiger als sich darüber Gedanken zu machen, wie viele Menschen in den Saal dürfen und wie das alles zu bezahlen ist, ist doch die Frage: Gelingt es uns, die tiefe Essenz des genialen Werks als transformative Botschaft an den Mann zu bringen? Auf so authentische und ehrliche Weise wie möglich? Ohne den ganzen wichtigtuerischen Ego-Zirkus und die verrohte Geschäftemacherei drumrum? Geht das? Bitte! “Von Herzen möge es zu Herzen gehen”, wie Beethoven über seine Missa solemnis sagte. So dass die Menschen aufspringen, tanzen, singen, jauchzen und endlich selbst zum kreativen Schöpfer ihres Lebens werden!

Das ist unsere Aufgabe als Musiker. Den kreativen Funken weiterzureichen. Und wir brauchen Helfer und Ermöglicher, die uns genau dabei und nur dabei unterstützen.


Comment (1)

  1. Marianne Figl
    1 Jahr ago

    Sehr geehrte Frau Kulman,
    das junge Female Symphonic Orchestra Austria, gegründet 2019 in Salzburg von der charismatischen Dirigentin Silvia Spinnato mit dem Ziel , den kreativen Funken der vergessenen genialen Partituren von Symphonischen Werken weiblicher Tondichterinnen aus den letzten 2 Jahrhunderten anzufachen und weiterzureichen, sucht Hilfe , Rat und Unterstützung ! Mehr Information auf http://www.fsoa.at
    Danke
    mfg Marianne Figl
    FSOA Obfrau Stv

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