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Hochamt St. Augustin – Dvorak

14. November 2004
Wien, St. Augustin

Antonín Dvorák (1841 – 1904): Messe in D-Dur
Bei kaum einem Komponisten ist der Begriff einer unmittelbaren Selbstverständlichkeit so angebracht wie beim tschechischen Meister Antonín Dvorák. Zutiefst verankert in jener Spiritualität, welche als “Pietas Austriaca” kennzeichnend für die ehemaligen Habsburgischen Länder war, vertraute er als Mensch wie als Künstler seiner Auffassung, dass sich die Spannungen des Lebens – deren er selbst nicht wenige erfahren hat – gleichermaßen ins Gute auflösen wie Dissonanzen in Wohlklang. Der Mensch setzt dafür Tatkraft und Fleiß ein – Gott hilft dabei. Wie tief diese Überzeugung in ihm verankert war, zeigt die eigene Erschütterung über die Haltung seines zutiefst verehrten Freundes Johannes Brahms: “Solch ein Mensch, solch eine Seele – und er glaubt an nichts, er glaubt an nichts!”
Wie reflektiert freilich diese unmittelbare Selbstverständlichkeit von Dvoráks Denken und Glauben ist, davon gibt seine Kirchenmusik beredt Kunde. Vor allem die überlegte Handhabung der musikalischen Mittel weist daher auch die D-Dur Messe von 1887 als wohlbedachtes Kunstwerk aus. Der Komponist schöpft bei der melodischen und strukturellen Gestaltung aus der Fülle ihm zur Verfügung stehender Traditionen. Der Gestus altüberlieferter geistlicher tschechischer Volkslieder, die oft noch große Affinität zum gregorianischen Choral aufweisen wird hier ebenso beschworen wie manche Ausdrucksform, die aus den Messen Haydns und seiner böhmischen Zeitgenossen bekannt ist. Eine besonders berührende Lösung findet Dvorák für das “Credo”: das Geheimnis des Glaubens und dessen Bekenntnis wird von der Altsolistin vorgesungen, der Chor respondiert. So macht der Musiker deutlich hörbar, dass “Glauben” in gleicher Bedeutung eine Entscheidung des einzelnen wie der zusammen feiernden Gemeinde ist.
Diese Messe ist genau genommen ein “Gelegenheitswerk”, aber eben eine Werk für eine Gelegenheit, auf die ein Mensch und Musiker wie Dvorák durchaus “vorbereitet” war – und somit auch geeignet, sie zu übernehmen. Der Architekt Josef Hlávka beauftragte ihn 1887, eine Messe zur Einweihung der Kapelle in Hlávkas Schloss Lužany nahe Pilsen zu schreiben. Den Gegebenheiten entsprechend entschloss sich der Komponist auch für eine kleine Besetzung: die solistischen und chorischen Singstimmen werden ausschließlich von der Orgel unterstützt, sodass die Messe in dieser Form den Charakter einer hochkünstlerischen “Landmesse” erhält. Nicht aus eigenem Antrieb, sondern auf Verlangen seines englischen Verlegers hat Dvorák die Messe orchestriert. Am Angelpunkt des Werkes aber, dem Beginn des Benedictus, beließ der Komponist der Orgel das große Solo – jenem Instrument, mit welchem der gerade ausgelernte Fleischhauergeselle 1857 als Student der Prager Orgelschule seinen Lebensweg als Musiker begonnen hatte.
Johannes Leopold Mayer

Kirchenmusik St. Augustin 2003

Besetzung

Tünde Szabóki, Sopran
Elisabeth Kulman, Alt
Augusto Caruso, Tenor
Peter Cser, Bass

Orgel: Michael Gailit
Chor und Orchester von St. Augustin
Dirigent: Alois Glaßner

Programm

* Antonin Dvorak: Messe D-Dur (Orchesterfassung)
* Graduale: Antonin Dvorak: Gott ist mein Hirte (aus den "Biblischen Liedern")
* Offertorium: Felix Mendelssohn-Bartholdy: "Verleih uns Frieden"
* Post benedictionem: Joseph Haydn: "Te Deum" für die Kaiserin Marie Therese

 

Veranstalter

Kirchenmusik St. Augustin

Alle Termine

Sonntag, 14. November 2004, 11.00 Uhr

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